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Flora-Fauna-Habitate (FFH) im Kreis Herford

Die FFH-Richtlinie wurde 1992 von den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union (EU) verabschiedet. Das Ziel: wild lebende Arten, ihre Lebensräume und die Vernetzung dieser Lebensräume sichern und entwickeln. Die Vernetzung soll dazu dienen, ökologische Wechselbeziehungen sowie natürliche Ausbreitungs- und Wiederbesiedlungsprozesse zu bewahren, (wieder-)herzustellen und zu entwickeln. Dazu wurde ein zusammenhängendes Netz von Schutzgebieten – Natura 2000 – ausgewiesen. Es umfasst:

Else-Werre-System in Rödinghausen, Spenge, Bünde, Löhne

Flora-Fauna-Habitat „Else-Werre-System“ wird gebildet von:
  • der gesamten Else im Kreis Herford,
  • den Abschnitten der Werre im Gemeindegebiet Löhne und
  • Unterlaufabschnitten von Kilverbach und Darmühlenbach.

Es umfasst eine Fläche von 61 Hektar. Der Wasserkörper bis zur Böschungsoberkante ist als FFH ausgewiesen. Es setzt sich in Niedersachsen fort.

Else und Werre sind die Hauptflüsse des Ravensberger Hügellands. Sie durchfließen breite, intensiv landwirtschaftlich genutzte Niederungen und Siedlungsflächen. Längere Gewässerstrecken mit Begradigungen und Eindeichungen zum Schutz der Siedlungsbereiche bestehen neben naturnahen Fließgewässerabschnitten wie am Kilverbach und an der Else östlich von Bünde.

Große Abschnitte sind durch die Stauwurzeln von Wehren geprägt. Dort besteht eine gut ausgeprägte Unterwasser- und Schwimmblattvegetation. Diese entspricht jedoch nicht dem Lebensraumtyp der schnell fließenden Fließgewässer.

Arten von gemeinschaftlichem Interesse nach FFH: Steinbeißer und Groppe
Das Vorkommen des Steinbeißers und der Groppe im Else-Werre-System ist von herausragender Bedeutung.

Steinbeißer
Steinbeißer, auch Dorngrundel genannt, erreichen eine Länge von 8 bis 10 Zentimetern, Weibchen vereinzelt auch bis 12 Zentimeter. Das Gewicht beträgt 20 bis 60 Gramm. Der Körper ist länglich. Am Maul hat der Steinbeißer 6 Barteln. Unter den Augen befindet sich je ein zweispitziger, aktiv beweglicher Dorn, mit dem er schmerzhafte Stiche zufügen kann. Er bevorzugt langsam fließende Bäche, Flüsse und stehende Gewässer mit klarem sauerstoffreichem Wasser. Steinbeißer kommen dort an flachen und sandigen oder steinigen Stellen vor, häufig in größerer Anzahl. Tagsüber sind sie im Sand vergraben, die Nahrungssuche erfolgt nachts. Hierfür wird der Sand auf der Suche nach Kleintieren und organischem Material durchgekaut und anschließend durch die Kiemen wieder ausgestoßen.

Groppe
Die Groppe, auch Kaulkopf, Rotzkopf, Westgroppe, Koppe, Mühlkoppe oder Dolm genannt, ist ein kleiner Süßwasserfisch. Er ist ein nachtaktiver Grundfisch mit spindelartigem Körper, einem großen, breiten Kopf (beim Männchen breiter, beim Weibchen spitzer), glatter, schuppenloser Haut. Er wird etwa 12 bis 16 Zentimeter lang. Anzutreffen ist die Groppe in der Forellen- und Äschenregion von Fließgewässern. Sie stellt große Ansprüche an die Wasserqualität, benötigt eine hohe Sauerstoffkonzentration, niedrige Wassertemperaturen und findet sich vorwiegend auf steinigem Grund. Weil Gewässerverbauung und -verschmutzung Populationen dieser Fischart gefährden, ist die Groppe in den Anhang II der FFH-Richtlinie aufgenommen worden. Da die Groppe nur mäßig schwimmen kann, stellen selbst niedere Schwellen unüberwindbare Hindernisse dar. Die Groppe ernährt sich von kleinen Bodentieren, zum Beispiel Insektenlarven und Bachflohkrebsen.

Bestand schützen und fördern
Vorrangige Ziele für das Else-Werre-System sind die Erhaltung und Optimierung der Lebensräume für den Steinbeißer und die Groppe. Für den Steinbeißer sind sandige bis feinkiesige Substrate im Mosaik mit organischen Schlämmen als Nahrungsbiotop von Bedeutung. Deshalb muss die permanente Sohlumlagerung durch ständige Wasserströmung gewährleistet sein. Sand- und Kiesbänke müssen für beide Arten geschützt und erhalten werden. Zur Stabilisierung und Vernetzung der Populationen sollen die Durchgängigkeit der Gewässer und der Anschluss von Seitenbächen gefördert werden, da beide Arten selbst kleine Querbauwerke nicht überwinden können. Starke Materialeinschwemmungen und Eutrophierung mit der Folge von Veralgung, Verschlammung und Wasserpflanzenbewuchs auf der Gewässersohle müssen vermieden werden. Daher sind Uferrandstreifen als Pufferzonen, die den Eintrag von Oberboden, Düngemittel- und Pflanzenbehandlungsmittel zurückhalten, stark zu empfehlen. Habitat-Strukturen im Gewässer wie Totholz, Wurzeln und Steine sind zu erhalten. Galeriewälder sichern die Ufer und bilden Kleinbiotope. Bei Gewässerunterhaltungsmaßnahmen ist auf Sohlräumungen zu verzichten, denn es dürfen die Sohlsubstrate und Gewässerstrukturen nicht zerstört werden. Begradigungen der Gewässer sowie technischer Ausbau, zum Beispiel mit Wasserbausteinen, zerstören den Lebensraum von Steinbeißer und Groppe.

Ein erhöhter Besatz mit Raubfischen, hier vor allem mit Aal, sollte vermieden werden.

Wald nördlich von Bad Salzuflen“ – Flora-Fauna-Habitat (FFH) Stuckenberg in Herford

Der Wald nördlich von Bad Salzuflen befindet sich auf dem Salzufler Höhenzug. Er ist strukturreich aufgebaut und enthält neben Nadelholz meist Fichtenbestände verschiedenen Alters, junges und altes Laubholz, überwiegend Buche und Eiche, sowie dichte Gestrüppe aus Hasel, Holunder und Brombeere. Einige naturnahe Bäche durchschlingen den Wald, begleitet von Erlen-Eschenwäldern.

Das Waldgebiet ist beliebt zur Naherholung: Spazierengehen, Joggen, Nordic Walking (mit Wegeausschilderung), Reiten, Fahrradfahren sind die häufigsten Aktivitäten.
Die Säume entlang der Wege tragen zur Strukturvielfalt und damit zu einem gewissen Insektenreichtum im Gebiet bei. Alt- und Totholz sind Grundlage für das reiche Vorkommen an Vögeln wie Spechten und an Fledermäusen.

Die Fläche des Waldes beträgt 211 Hektar, davon liegen 74 Hektar auf dem Gebiet der Stadt und des Kreises Herford. Sie wird von der Autobahn A2 durchschnitten.

Lebensräume im „Wald nördlich von Bad Salzuflen“ von gemeinschaftlichem Interesse nach FFH-Richtlinie


  • Hainsimsen-Buchenwald: ein Buchenwald, der auf sauren Standorten wächst und in der Regel artenarm ist. Nur die Hainsimse bildet größere Bestände.
  • Waldmeister-Buchenwald: stockt auf basischen Böden, die Hauptbaumart ist ebenfalls die Buche. Der Waldmeister bildet mit Bärlauch, Lerchensporn, Wald-Bingelkraut, Goldnessel, Perlgras und anderen eine artenreiche Krautschicht.
  • Erlen-Eschen- und Weichholz-Auenwälder: schmale Waldstreifen am Fließgewässer und an der Aue. Erlen, Eschen, Vogelkirschen, Birken und Weiden halten mit ihren Wurzeln das Erdreich und ertragen zeitweilige Überstauung bei Hochwasser. Sumpfdotterblume, Großseggen, Binsen, Hopfen und Brombeere bilden ein Angebot für viele Arten.
Diese Waldgesellschaften entsprechen den Wäldern, die sich auf diesen Böden und Standorten ausbilden würden, wenn der Mensch nicht mit Kulturbau oder Forstwirtschaft eingegriffen hätte. Mit der Ausweisung als Flora-Fauna-Habitat wird versucht, diese Reste zu erhalten. Die Bundesrepublik Deutschland hat in Europa eine besondere Verantwortung zur Erhaltung der Buchenwälder.

Arten von gemeinschaftlichem Interesse nach FFH- oder Vogelschutzrichtlinie


Fledermäuse

Die folgenden Fledermausarten gehören zu den besonders geschützten Arten. Ihr Vorkommen im Stuckenberg weist auf die ökologische Bedeutung dieses Waldgebietes hin. Schutzziele und Maßnahmen sind deshalb der Erhalt und die Förderung des Strukturreichtums. Erhalt und Förderung von Alt- und Totholz, des Altersklassenwaldes ebenso wie des Buchenhallenwaldes, der Verzicht auf Biozide sowie die Förderung von Blühpflanzen für Insekten als Nahrungsgrundlage.

  • Große Mausohr: die größte Fledermausart in Deutschland. Das Große Mausohr braucht als Lebensraum offenes Gelände mit Wiesen und Feldern, offene Waldränder und Tot-und Altholzbäume mit Höhlen als Schlafquartier oder Wochenstube. Nachtfalter und große Käfer sind die Hauptbeutetiere.
  • Bechsteinfledermaus: mittelgroß und erkennbar an ihren langen, breiten Ohren. Sie gilt als die am stärksten an strukturreiche Laub- oder Mischwälder gebundene Fledermausart. Sie jagt gern entlang von Waldbächen nach Nachtfaltern, Weberknechten, Käfern und Mücken, die sie direkt von den Blättern absammelt. Faul- und Spechthöhlen, abgeplatzte Baumrinde oder Stammrisse und hohle Bäume dienen ihr als Quartier.
  • Teichfledermaus: mittelgroß und kann bis zu 20 Jahre alt werden. Für ihre Wochenstuben und Schlafquartiere bevorzugt sie alte Gebäude, als Jagdbiotop stehende und fließende Gewässer. Sie ernährt sich von Fliegen, Schmetterlingen und anderen Insekten.
Spechte

Mittelspecht:
etwas kleiner als der Buntspecht und wesentlich seltener als dieser. Da in Deutschland ungefähr 20 Prozent der Art brüten, tragen wir auch eine besondere Verantwortung zur Erhaltung der Art. Er braucht grobrissige Rinden an Laubbäumen und stark strukturiertes Totholz als Nahrungsbiotope. Dort findet er die Insekten für sich und seine Brut. Seine Brut- und Schlafhöhlen baut er in Weichholzbäume oder in Tot- und Altholz.
  • Schwarzspecht: die größte in Europa vorkommende Spechtart. Er zimmert seine Höhlen vorwiegend in Buchen. Er ernährt sich hauptsächlich von Ameisen und schlägt dafür große Löcher in die Rinde oder den Stamm. Schwarzspechthöhlen sind wichtige Fortpflanzungsbiotope für Fledermäuse, Hohltauben, Käuze, aber auch für Eichhörnchen, Marder, Bienen und Hornissen.


Schutzziele für das Flora-Fauna-Habitat
Durch die Ausweisung als FFH soll der Lebensraum für die Fledermausarten gesichert werden. Dafür muss der Strukturreichtum im Wald mit Alt- und Totholzbeständen, strauchreichen Lichtungen, blütenreichen Wegsäumen, gestaffelten Waldbeständen bezüglich Alter und Höhe erhalten und ausgebaut werden. Dies soll durch naturnahe Waldbewirtschaftung geschehen. Der Laubholzanteil ist anzuheben.

Der Strukturreichtum soll erhalten und gefördert werden und Fledermaus- und Spechtarten zugutekommen. Der Erhalt der Höhlenbäume sichert Schlaf- und Wochenstuben für Fledermäuse, vor allem für die Aufzucht ihrer Jungen. Hallenwald, Lichtungen, Feuchtbiotope bilden die Jagdreviere. Alt- und Totholz laden den Specht zum Bau neuer Höhlen ein. Interessenten für die Nachmiete gibt es reichlich. Auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln wird im Wald verzichtet, um ein hohes Insektenvorkommen als Nahrungsgrundlage für die geschützten Arten zu sichern. Spezielle Artenschutzmaßnahmen lassen sich ergänzen.

Zur Erhaltung dieses einzigartigen Naturschutzgebietes sollten alle Besucher einige Regeln beachten:

  • Bitte bleiben Sie auf den ausgewiesenen Wegen!
  • Bitte führen Sie Ihren Hund immer an der Leine.
  • Lassen Sie Pflanzen und Tiere in ihrer natürlichen Umgebung und genießen Sie dort ihren Anblick.
  • Verunreinigen Sie bitte nicht den Wald, sondern nehmen Ihren Müll wieder mit!

Schloss Ulenburg in Löhne

Schloss Ulenburg ist eine alte Wasserburg, die unter ihrem Dach eine Wochenstube der Fledermausart Großes Mausohr beherbergt: ein landesweit bedeutsames Wochenstubenquartier. Ein strukturreiches Umfeld mit Teichen, Bachläufen, Hallenwaldkomplexen, Äckern und Grünlandflächen bietet gute Jagdreviere.

Großes Mausohr
Das Große Mausohr ist die größte Fledermausart in Deutschland. Im Flug erscheint es größer als eine Amsel. Es wird zu den Gebäudefledermäusen gezählt, weil es gerne Dachböden als Wochenstube oder Schlafplatz wählt. Die Standorte müssen frei von Zugluft und ohne Störungen sein. Es jagt bevorzugt in Buchenhallenwäldern, aber auch in offenem Gelände mit Grünland und Äckern. Nachtfalter und große Käfer sind die Hauptbeutetiere. Das Große Mausohr erreicht in Nordwestdeutschland seine nördliche Verbreitungsgrenze. In Nordrhein-Westfalen gilt es als „stark gefährdet“.
Vorrangiges Ziel ist die Erhaltung des Quartiers. Dazu notwendige Maßnahmen sind:

  • Zugänglichkeit bewahren durch Offenhalten der Einflugöffnungen und der davor liegenden Flugwege
  • vor Störungen während der Jungenaufzucht schützen
  • keine giftigen Holzschutzmittel verwenden
  • kein behandeltes Holz verwenden.

Salzquellen an der Loose in Vlotho

Bei den Salzquellen an der Loose handelt es sich um einen Ausschnitt des Salzetals östlich von Bad Salzuflen. Die Gesamtgröße des FFH beträgt 6 Hektar, wovon der Hauptteil im Kreis Lippe liegt.
Im offenen Tal der Salze überwiegt feuchtes, zum Teil brachgefallenes Grünland. Es ist gegliedert durch Baum- und Gebüschgruppen, Wäldchen, Ufergehölzstreifen und -hochstauden. Die Salze durchfließt das Gelände in leichten Windungen. Im Süden des Gebiets liegt auf lippischem Gebiet eine Fischteichanlage.

Lebensräume von gemeinschaftlichem Interesse nach FFH-Richtlinie

Salzwiesen im Binnenland
Bei den Salzwiesen „An der Loose“ handelt es sich um die einzige naturnahe Binnensalzstelle im Weserbergland. Bezogen auf Nordrhein-Westfalen hat das Gebiet wegen seiner Artenausstattung ebenfalls einen herausragenden Wert. Natürliche Binnenlandsalzstellen mit ihrem gesamten Lebensraumkomplex gibt es selten. Sie bestehen aus

  • salzhaltigen Quellaustritten,
  • salzhaltigen Fließ- und Stillgewässern und
  • angrenzender Salz ertragender Vegetation (Salzwiesen mit Strand-Milchkraut und Salzbunge)

Um diese Biotope zu erhalten, müssen das örtliche Wasserregime und sein Wasserchemismus gewährleistet bleiben. Eine extensive Grünlandnutzung und der Schutz vor Eutrophierung dienen dazu, die besondere Vegetation zu bewahren.

Feuchte Hochstaudenfluren
Feuchte Hochstaudenfluren gilt es zu schützen. Sie sind natürliche Begleiter von Fließgewässern mit Mädesüß und Wasserdost, Pestwurz und Teufelszwirn. In erster Linie durch Gewässerunterhaltung und Nutzung der Auen bis an das Gewässer sind oft nur noch sporadisch gemähte, schmale Streifen erhalten geblieben. Unregelmäßiges, extensives Mähen und das gelegentliche Entfernen von Gehölzen dienen ihrer Bewahrung.

Zu vermeiden sind:

  • Uferverbau oder -befestigung
  • Umbruch
  • Aufforstung
  • Nähr- und Schadstoffeintrag.