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Zwischen »Saalegge» und »Voßgrund» in Vlotho

(Wanderung Nummer 18)

Treffpunkt für geführte Wanderungen

Sportplatz Bretthorststraße, Valdorf, Vlotho

Dauer der Wanderung: etwa 2 Stunden

Strecke: 4,3 Kilometer

Der Wanderweg führt teilweise auf dem höchsten Punkt des Kammes etwas unterhalb der eigentlichen Saalegge. Saal kann mit dem althochdeutschen "salha" für Salweide beziehungsweise Weide verbunden werden. Egge kommt von Ecke, althochdeutsch "ecka" und ist ein Bergrücken.

Der Name Voßgrund steht wahrscheinlich für Fuchsgrund und bezeichnet eine Kuhle oder Senke in der Füchse vorkamen oder vorkommen.

Die Bretthorst bezieht sich auf die Berufsbezeichnung der Brett-schneider, Horst ist ein alter Begriff für Gehölz, Dickicht. Dieser Begriff deutet schon auf die Waldnutzung der letzten Jahrhunderte hin.

Erläuterungen zu den Stationspunkten der Wanderung

1. Mergelgrube

Ein Blick auf die geologische Karte zeigt, dass die Gesteine im Voßgrund aus dem Keuper stammen, einer Zeit im Erd-Mittelalter vor ungefähr 220 Millionen Jahren. Es wurden Gips, Sandstein und Mergel abgelagert. Darüber befindet sich eine Schicht mit fruchtbarem Lösslehmboden.

Mergel ist ein von Meeren oder Flüssen abgelagertes Gestein mit einem bestimmten Mischungsverhältnis von Kalk und Ton. Die härteren Mergelkalke mit bis zu 75% Kalk wurden zum Bauen verwendet, weichere Mergel mit bis zu 35% Kalk zum Düngen der Felder. Die Mergelgruben, die noch an vielen Stellen im Wald sichtbar sind, versorgten die Landwirtschaft bis in die 30er Jahre mit Dünger, dann wurde der Mergel von Kunstdünger abgelöst.

2. Blick ins Ravensberger Hügelland

Von einigen Stellen im Voßgrund hat man einen herrlichen Blick über das niedrigere Ravensberger Hügelland. Das höher gelegene Vlothoer Bergland (bis 300 Meter) weist steile Hänge auf, wie der hoch aufsteigende Weg verdeutlicht. Das schwach welligere Hügelland ist sehr viel stärker durch Bachtäler verzweigt und dennoch ohne auffällige Höhenunterschiede. Das geringere Relief und vermehrte Vorkommen der sehr fruchtbaren Parabraunerde (sehr hohe Bodenwerte bis 75) machten das Hügelland zum besser bestellbaren Ackerland. Der oftmals auf wasserdurchlässigeren Keuperschichten aufliegende Boden im Vlothoer Bergland ist trockener. Besonders die Bergrücken waren für die Ackernutzung wenig geeignet – im Gegensatz zu den höheren, sehr fruchtbaren Lagen im Ravensberger Hügelland.

3. Hecke und Neuntöter

Für die Tierwelt wertvolle Heckenarten sind zum Beispiel Heckenrose, Schlehe und Weißdorn, die besonders gut an sonnigen Standorten gedeihen. Diese Arten bilden schnell ein undurchdringliches Dornengestrüpp, welches für viele Vögel gute Nistmöglichkeiten bietet. Daneben locken diese Arten mit ihrem reichen Blütenflor viele Insekten an und bieten mit ihren Früchten ein reiches Nahrungsangebot für viele Tierarten.

Den Lebensraum Grünland in Kombination mit ausreichend Hecken bevorzugt der Neuntöter. Noch schauerlicher klingen seine anderen Namen wie Würgengel, Dorndreher, Schäckerdickkopf, Käferfresser, Totengräul, Dorngral oder Finkenbeißer. Alle diese Namen beziehen sich auf die Eigenart des Vogels, Beutetiere auf Dornen zu spießen. Für die Ernährung benötigt er insekten- und blütenreiche Säume, Sandwege, krautige Feldwege, Ruderalfluren. Ackerflächen bieten allein keine ausreichende Nahrungsgrundlage. Der Neuntöter ist ein ausgeprägter Zugvogel, der erst Anfang Mai im Voßgrund sein Revier besetzt. Er liebt hohe Sitzwarten, um Boden- und Luftjagd zu betreiben. Alternativ werden Zaunpfosten, Telefon- oder Stromleitungen angenommen. Die Bestände dieses auffälligen und schönen Vogels sind über viele Jahrzehnte stark zurückgegangen und erholen sich erst langsam wieder.

4. Sandsteinbruch

Neben dem Mergel wurde aus den Keuper-Ablagerungen für den Hausbau Sandstein abgebaut. Die Sockel der Häuser und Höfe wurden häufig aus Sandsteinen gemauert, die in der unmittelbarer Umgebung gewonnen werden konnten. Ein größerer Sandsteinbruch befindet sich wenige 100 Meter nördlich von hier.

5. Blick Richtung Weser/"Die Schlacht von Valdorf"

Von dieser Stelle aus blickt man in Richtung Weser, die nur 2 Kilometer entfernt hinterm Rusch- und Winterberg tief eingeschnitten zur Porta Westfalica fließt. Bei klarer Sicht ist auch das Wesergebirge, die östliche Fortführung des Wiehengebirges, gut zu erkennen. Am 4.10.1638 kam es im 30-jährigen Krieg nah am Voßgrund zur Schlacht von Valdorf, als schwedische Truppen vor Lemgo lagerten. Um die Stadt vor dem Zugriff zu retten, wurden kaiserliche Soldaten bei Dortmund zusammengezogen und eilten nach Ostwestfalen. Daraufhin zogen sich die feindlichen Truppen in Richtung Minden zurück und wollten bei Vlotho über die Weser gehen. Dies verhinderten die Kaiserlichen, in dem sie die Brücke abbrachen. Damit waren die Schweden zwischen Werre und Weser eingeklemmt. In der Nähe der Valdorfer Kirche kam es zur dreistündigen Schlacht mit über 15.000 beteiligten Soldaten, von denen über 1.000 den Tod fanden. Viele ertranken bei der Flucht in der Weser. Ein großer Fehler der Schweden war es, sich nicht in "die Berge festzusetzen", sondern im Tal den Angriff zu erwarten. Im Bericht des schwedischen Generals King heißt es: "wobei aber die Hecken und Büsche dem Feinde zustatten kamen". Auch der Wagen des Zahlmeisters mit 30.000 Talern konnte wegen "des engen Passes und der Berge" nicht gerettet werden.

6. Niederwald

In den Wäldern des Lippischen Berglandes um Vlotho wachsen überwiegend Rotbuchen, vereinzelt auch Birken und Eichen. Die sogenannten Hochwälder aus mächtigen Einzelstämmen bilden ein geschlossenes Laubdach. Nach einer extensiven Beweidung der Waldflächen mit Vieh entstanden hier seit dem 16. Jahrhundert durch übermäßige Brennholzgewinnung Niederwälder. Im Rhythmus von 15-25 Jahren wurden die Buchen parzellenweise heruntergeschnitten. In Vlotho sind ungefähr 30-40% der Wälder heute Niederwälder, die allerdings seit etwa 40 Jahren nicht mehr genutzt werden und heute durchgewachsen sind. Die ungewöhnliche Vielstämmigkeit der Buchen ist aber auch heute noch gut zu erkennen. Ein besonders großes Niederwaldstück von etwa 50 Hektar liegt zwischen Voßgrund und Saalegge. Die verschiedenen Eigentümer besitzen teilweise sehr kleine Grundstücke, was man an den dicht aufeinander folgenden Grenzsteinen sehen kann.

Durch die regelmäßige Nutzung bilden die Niederwälder ein weniger dichtes Laubdach als Hochwälder aus, welches auch Sträuchern und Kräutern genügend Licht zum Wachsen lässt. Durch die Aufgabe der Nutzung finden wir hier heute nur noch wenige Arten wie Sauerklee, Heidelbeere, Eichenfarn und Waldgeißblatt. Diese Arten sind säuretolerant und zeigen an, dass wir uns teilweise auf einem kalkarmen Sandsteinboden befinden. Es sollte überlegt werden, ob wieder eine Niederwaldnutzung auf kleineren Parzellen eingeführt werden könnte.

7. Rote Waldameise

Waldameisen sind staatenbildende Insekten, die ihr Nest teils über- teils unterirdisch anlegen, bis zu zwei Meter tief. Mehr als eine Viertelmillion Individuen leben mit nur einer oder mehreren Königinnen zusammen, die das für ein Insekt erstaunliche Alter von über 20 Jahren erreichen können. Ihre Nester stehen alle unter Schutz. Waldameisen halten sich sogar Sklaven, in dem sie Nester von kleineren Arten übernehmen und lange Jahre gemeinsam zusammenleben, bis der unterdrückte Staat ausstirbt. Die Vermehrung geht von einem übervölkerten Nest aus, indem einige herangewachsene Königinnen neue Nester gründen, die oft unterirdisch lange mit den alten in Kontakt bleiben.

Waldameisen sind von beträchtlichem Nutzen für den Wald. Larven und Alttiere von beispielsweise Eichenwicklern und Forstspanner werden in riesigen Mengen gelagert und gefressen. Von Schädlingen befallende Wälder können an den Stellen, wo Waldameisen vorkommen, gänzlich frei von Befall sein.

8. Landwirtschaftliche Nutzung

Der Name Kalbersiek verweist auf die landwirtschaftliche Nutzung als Weide für Kühe und Kälber. Die nährstoffreichen Lösslehmböden wurden überwiegend als Ackerland genutzt, steilere Hänge oder quellige Orte eher als Grünland. Bachtälchen wurden durch Anlage von Kastentälern (Sieken) nutzbar gemacht. Die Talsohle wurde verbreitert, indem der Löss der Steilwände abgehoben und im Tal verteilt wurde. Der Bach wurde an die Seite verlegt und man hatte eine ebene Fläche für Wiesen- oder Weidenutzung gewonnen.