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Durch die »Donoer Berge« in Rödinghausen

(Wanderung Nummer 23)

Treffpunkt für geführte Wanderungen

Parkplatz am Schluchtenweg, direkt an der Bahnlinie

Dauer der Wanderung: etwa 2,5 Stunden

Strecke: 6 Kilometer

Erläuterungen zu den Stationspunkten der Wanderung

1. Naturdenkmal

Diese etwa 130 Jahre alte Blutbuche wurde 1995 als Naturdenkmal festgesetzt.

2. Ehemalige Abdeckerei

An Stelle des Metallverarbeitungsbetriebes arbeitete von 1920 bis Anfang der 30er Jahre eine Tierkörperverwertungsanstalt. Wohnhaus, Pferdestall, Wagenremise und Fabrikgebäude bildeten ein Karree um den gepflasterten Innenhof. Die verendeten Tiere wurden vom Abdecker in geschlossenen Wagen vom Bauern abgeholt. Der bekam nach Tarif einen kleinen Betrag für das Tier. Kadaver von Pferd, Rind, Schaf, Ziege und Schwein wurden unterschiedlich bezahlt. Das wertvollste war die Haut, ansonsten wurde Fett (für die Seifenindustrie), Fleischmehl (als Tierfutter oder für den Salpetersieder) und Gelantine gewonnen. War das Fell schon abgezogen, bekam der Abdecker einen „Unkostenbeitrag“ (für die Entsorgung). Natürlich war eine Abdeckerei auch mit Geruchs­belästigungen verbunden und wurde deshalb weit außerhalb von Orten angesiedelt. Tiermehle werden heute nicht mehr verfüttert, sondern als Energieträger verwendet, Tierfett ist weiterhin Grundstoff für die chemische Industrie, Fleischmehle werden als Stickstoff-Phosphat-Dünger eingesetzt.

3. Rainer Maria Rilke Gedenkstein

Dieser Gedenkstein wurde 1978 zur Erinnerung an den Besuch von Rainer Maria Rilke auf Gut Bökel aufgestellt. Wahrscheinlich wollte der Rödinghauser Gemeinderat damit an die 1976 verstorbene Hertha Koenig erinnern. Der 4.000 Kilogramm schwere Findling stammt aus einer Kiesgrube bei Möllenbeck an der Weser, die Inschrift wurde von dem Bünder Bild- und Steinhauer Gustav Klausmeier angebracht.

4. Pflanzenkläranlage

In Außenbereichen, wo die Haushalte nicht an einen Kanal angeschlossen werden können, werden Pflanzenkläranlagen als sogenannte 2. Reinigungsstufe genehmigt. Diese funktioniert nach 3 Prinzipien:

  1. die Pflanze, meist Schilf, nimmt aus dem vorgereinigten Abwasser Nährstoffe auf und baut sie in den Pflanzenkörper ein,
  2. auf den Wurzeln sitzen Kolonien von Bakterien, die zum Beispiel Stickstoff- oder Schwefelverbindungen abbauen,
  3. das weitverzweigte Wurzelsystem sorgt für den Gasaustausch im Boden, denn ohne Sauerstoff können die Mikroorganismen nicht arbeiten. Das Abwasser durchströmt den Bodenkörper (es müssen etwa 5 m2 Fläche je Einwohner sein), die Pflanzen und Mikroorganismen entziehen die Nährstoffe und bauen Verbindungen um bzw. ab, gereinigtes Wasser wird in den nächsten Bach geleitet. Die vor uns liegende Pflanzenkläranlage, die vertikal durchflossen wird, hat eine Größe von 80 m2 und ist für 6 Haushalte, 16 Personen ausgelegt.

5. Ehemaliger Steinbruch

Die Gesteine des Wiehengebirges wurden in der Mittleren und Oberen Jurazeit, im Dogger und Malm vor ungefähr 140 - 200 Millionen Jahren als Sedimente schichtweise auf dem Meeresgrund abgelagert, später bei der „Saxonischen Gebirgsbildung“ als „dünne schmale Rippe“ gefaltet und steil gestellt. Dadurch entstand der harte, helle Wiehengebirgssandstein, der als Cornbrash- und Portasandstein beim Bau von Gebäuden (beispielsweise Kirchen) und nach dem 2. Weltkrieg als Korallenoolith beim Straßenbau Verwendung fand. Kohle, Impsonit (festes Erdöl), Eisenerz wurden in Bergwerken abgebaut. Der Abbau des Kalksandsteins war flächenmäßig und wirtschaftlich am bedeutensten. Er fand seit dem 11. Jahrhundert statt und wurde großflächig erst Ende der 60er Jahre eingestellt. Damals bekamen Naturschützer, Wanderer und Heimatkundler, aber auch die Behörden, den Eindruck, weiterer Steinabbau bedeutet einen Angriff auf den Kamm des Wiehengebirges. Dies brachte auch breiten öffentlichen Widerstand gegen Erweiterungen und Neugenehmigungen von Steinbrüchen mit sich. Der Verlust des Wittekindweges auf dem Kamm und die Horrorvision, dass das stellenweise sehr schmale Wiehengebirge eines Tages verschwunden sein könnte, bewegte die Menschen. Der Erhalt des Landschaftsbilds des Naturparks war ihnen jedoch wichtiger als die Natur selbst. Heute sind viele ehemalige Steinbrüche im Wiehengebirge Naturdenkmale oder Naturschutzgebiete und bieten Felsenbrütern wie Uhu und Wanderfalke, Eidechsen und Schlangen, Kleinsäugern und Insekten mit ihren Magerrasen und Gehölzen einen vielfältigen Lebensraum. Konkurrenz im Steinbruch bekommen Tiere und Pflanzen durch den kletternden oder motorradfahrenden Menschen. Die Steinbrüche im Wiehengebirge liefern uns auch viele Informationen über die Geschichte und die Gestaltung der Erde wie die Saurierspuren, der Saurierfriedhof und manch anderes.

6. Fichtenforste

Nach dem zweiten Weltkrieg wurden einerseits von den Briten die Wälder als Reparationszahlung gerodet, andererseits war der Niederwald uninteressant geworden, da immer mehr mit Öl und Gas heheizt wurde. Bis zu 35% der Waldfläche im Wiehengebirge wurde deshalb mit der Fichte bepflanzt, die nach der „Fichtenreinertragslehre“ wirtschaftlicher als Laubwald sein sollte. Den Samen gab es regelmäßig und reichlich und die Stecklinge waren preiswert. Gepflanzt wurde vornehmlich von den Kulturfrauen, die diese Leichtlohnarbeiten bis in die 70er Jahre durchführten.

7. Niederwald/Mittelwald

Die Niederwaldwirtschaft entwickelte sich ab dem 13., intensiv ab dem 17.Jahrhundert. Der Hochwald konnte den Holzbedarf nicht decken. Die Bäume, meist Hainbuche, Eiche, Linde, Ahorn, Erle auf feuchtem Grund, aber auch Buche und Birke wie hier zu sehen, wurden immer wieder im Frühjahr vor dem Austreiben in Abständen von 15 – 30 Jahre abgeschnitten, um Reisig, Brennholz, Bauholz, Eichenrinde für Gerberlohe und Holzkohle zu gewinnen. Um das Verbeißen der Schösslinge zu verhindern, musste das Vieh in den ersten Jahren nach dem Schnitt aus dem Wald herausgehalten werden, obwohl durch den Lichteinfall sich nun eine reiche Krautschicht entwickelte, die ein wertvolles gutes Futter darstellte. Niederwälder entwickelten stark lokale Ausprägungen. Warum diese Flächen nicht auch mit Fichten aufgeforstet wurden ist nicht bekannt.

8. Eisenbahnbrücke

Die Eisenbahnbrücke „Neue Mühle“ stellt insofern eine Besonderheit dar, als dass sie sich heute noch in ihrem Originalzustand präsentiert. Das heißt, dass immer noch der aus gestampftem Lehm und Schotter bestehende Weg, der 1899 angelegt worden war, erhalten ist. Ebenso das schmiedeeiserne Geländer auf beiden Seiten.

Das Bauwerk ist aus großen Sandsteinquadern gemauert, wobei den Schlussstein auf der Südseite das Ravensberger Wappen mit den drei Sparren ziert, den auf der Nordseite die zwei gekreuzten Schlüssel des Fürstbistum Minden.

Die Eisenbahnlinie von Bünde über Lübbecke wurde am 30.9.1899 eingeweiht. Sie durchschneidet hier in einem Geländeeinschnitt das Wiehengebirge. Weiter südlich verlaufen die Schienen auf einem Damm und trennen so das Auetal vom Wiehengebirgswald. Das Bachbett der Aue wurde nach Westen verlegt. 1986 wurde der Halt aufgegeben, heute existiert nur eine Bedarfshaltestelle.