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Durch die »Bustedter Wiesen» zum »Gut Bustedt» in Hiddenhausen

(Wanderung Nummer 8)

Treffpunkt für geführte Wanderungen

Industriestraße, Parkplatz an den Bustedter Wiesen, Hiddenhausen

Dauer der Wanderung: etwa 2,5 Stunden

Strecke: 4,3 Kilometer

Das Gebiet der Bustedter Wiesen hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich: früher gehörten die Flächen zu den Ländereien des Gutes Bustedt, 1968 wurde im Kerngebiet des heutigen Schutzgebiets ein Hochwasserrückhaltebecken angelegt, 1972 wurden Teile davon als Naherholungsgebiet ausgebaut. Im Juni 1988 wurde der Bereich vom Regierungspräsidenten in Detmold als Naturschutzgebiet ausgewiesen.

Das 82 Hektar große Gebiet umfasst die Waldflächen des Bustedter Holzes, Grünland-, Schilf-, Hochstauden und Wasserflächen und wird vom Brandbach von Süden nach Norden durchflossen. Die Bustedter Wiesen werden im Norden von der Autobahn und sonst von Wohn- und Gewerbebebauung begrenzt.

Erläuterungen zu den Stationspunkten der Wanderung

1. Brandbach

Der Brandbach, der mitten durch die Bustedter Wiesen fließt, wurde 1968 im Rahmen der Errichtung eines Rückhaltebeckens als gerader, tiefer Graben ausgebaut. Zusammen mit seinen Seitengräben entwässerte er die umliegenden Flächen damit sie besser landwirtschaftlich genutzt werden konnten. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts floss er als sich schlängelnder Bach durch die Wiesen, auf Karten des Jahres 1889 ist er schon begradigt dargestellt.

1985 wurde der Brandbach dann im Rahmen der Gestaltung des Naturschutzgebiets „renaturiert”, das heißt es wurde versucht, unter Berücksichtigung der Belange des Hochwasserschutzes und der Naherholung ein naturnahes Fließgewässer zu gestalten. Durch das Anheben der Gewässersohle, das Verbreitern des Bachbettes und das Anlegen von Altarmen wurden vielfältige aquatische Lebensräume neu geschaffen. Die sich selbst angesamten Erlen und die Gewässerdynamik des Brandbachs lassen heute den Eindruck eines naturnahen Gewässers in einer Kulturlandschaft entstehen.

2. Bustedter Holz

Das Waldgebiet des Bustedter Holz umfasst eine Fläche von cirka 25 ha, die man überwiegend zum Flattergras-Buchenwald, Stieleichen- Hainbuchenwald und auf den feuchten Flächen zum Erlenbruchwald rechnen würde. Der Nadelholzanteil – Lärche und Douglasie - ist mit etwa 17 % gering. Buche und Eiche sind mit 160 Jahre alten Bäumen vertreten, bilden mit Bergahorn, Vogelkirsche, Hainbuche und anderen auch jüngere Bestände.

Der Wald gehörte bis 1968 zum Gut Bustedt und ist heute im Eigentum des Kreises Herford. Er wird nach den Grundsätzen der naturnahen Forstwirtschaft bewirtschaftet. Das Ziel sind mehrschichtige, ungleichaltrige Mischbestände mit standortgerechten Baum­arten. Dies wird durch den Verzicht auf Kahlschlag, die Förderung der Naturverjüngung, die Einzelstammnutzung, die frühzeitige Auslesedurchforstung, den Verzicht auf Einsatz von Bioziden, die Umwandlung nicht standortgerechter Bestände, den Erhalt und die Förderung seltener Nebenbaumarten und den Erhalt von Tot- und Altholz erreicht. In einem stark genutzten Erholungsgebiet wie dem Naturschutzgebiet Bustedter Wiesen muss die Verkehrssicherheit der Besucher auch im naturnahen Wald gewährleistet bleiben, Müll- und Gartenabfallablagerungen stellen wegen der dichten angrenzenden Besiedlung ein großes Problem dar.

3. Angelteich

Dieser Teich ist als Fischgewässer an einen Angelverein verpachtet. Im Winter dient seine Eisfläche den Schlittschuhläufern für ihren Wintersport. Gebaut wurde er 1972 vom Kreis Herford für eben diese Zwecke, als das heutige Naturschutzgebiet zu einem attraktiven Naherholungsgebiet für die Hiddenhauser Bevölkerung entwickelt werden sollte. In diesem Zusammenhang wurden umfangreiche Anpflanzungen vorgenommen, das Wegesystem ausgebaut, und einige Wiesenflächen standen den Besuchern für die Freizeitnutzung zur Verfügung. Vor diesem Hintergrund kann die Nutzung eines Teiches als Angel- und Schlittschuhteich aus naturschützerischer Sicht hingenommen werden.

Auch heute hat das Gebiet eine hohe Besuchernutzung, worunter die Qualität des Naturschutzgebietes leidet, da sich viele Besucher leider nicht an die Verbote halten.

4. Naturschutzgebiet Bustedter Wiesen

Die Flächen links und rechts des Weges bilden das Kerngebiet des Naturschutzgebietes Bustedter Wiesen weshalb durch Abpflanzungen und Betretungswälle eine Abschirmung versucht wird. Die Bustedter Wiesen zählen zu den Feuchtwiesen. Durch die Maßnahmen der Naturschutzgebietsgestaltung 1982/83 sind große Wasserflächen, ausgedehnte Hochstauden- und Röhrichtflächen und einige Gehölzkomplexe entstanden. Hier finden Amphibien, Kleinfische, Heuschrecken, Libellen, Schmetterlinge (360 Arten!), Fledermäuse und Singvögel einen Lebensraum. Um diesen zu erhalten, werden die Wiesenflächen jedes Jahr, die Hochstauden und Röhrichte bei passenden Witterungsverhältnissen gemäht. Einige Bereiche sind der eigenen Entwicklung überlassen. Andere Gehölzbereiche werden von Zeit zu Zeit durchforstet, sei es um den Wald zurückzudrängen oder um einige Baumarten zu fördern oder um standortfremde zu entfernen. Das Ziel ist ein Mosaik von Pflanzengesellschaften und Strukturen, die einem großen Teil einheimischer Pflanzen- und Tierarten eine Lebensgrundlage bieten.

5. Hochwasserrückhaltebecken Bustedt

Das Hochwasserrückhaltebecken Bustedt wurde 1968 vom Werre-Wasser-Verband gebaut. Es kann eine Fläche von 24 Hektar überstauen und dabei 280.000 Kubikmeter Wasser zurückhalten. Damit sollen die Unterlieger des Brandbachs, vor allem die Bürger Südlengerns, geschützt werden. Bis zum heutigen Tag ist das Becken jedoch noch niemals eingestaut worden. Im Norden bildet der Damm der Autobahn, im Osten der Randdeich, im Süden der Straßendamm der Industriestraße die Abgrenzung. Um den Rückhalteraum funktionsfähig zu halten, müssen regelmäßig Pflege- und Unterhaltungsmaßnahmen an den Deichen und Gewässern durchgeführt werden, die vom Naturschutz geduldet werden müssen.

6. Beweidung

Eine Maßnahme zur Erhaltung und Entwicklung von Grünlandgesellschaften ist die Beweidung. Wiesen und Weiden stellen unterschiedliche Pflanzengesellschaften dar, die nur durch Mahd oder Beweidung erhalten werden können. Tiere wie hier die Schottischen Hochlandrinder fressen nicht alle Pflanzen gleichmäßig ab, sondern zuerst ihre Lieblingsarten, die saftigsten und nährstoffreichsten und zum Schluß „aus der Not” die weniger attraktiven. Ganz stehen bleiben die schlecht verdaulichen, harten Sauergräser und Binsen und die Pflanzen, die an Stellen wachsen, wo die Tiere ihren Kot fallen ließen. Früher beweidete man die Flächen deshalb mit verschiedenen Tierarten- meist Pferden und Rindern, die ihre „Geilstellen” gegenseitig abfraßen, heute werden die Weiden zwischendurch gemäht.

7. Obstplantage

Der Erwerbsobstbau als Sonderkultur spielte im Kreis Herford immer eine untergeordnete Rolle. Früher hatten alle Höfe ihre Streuobstwiese, die für die eigene Versorgung mit frischem Obst diente und nebenbei ein paar Mark durch den Verkauf einbrachten. Heute gibt es im Kreis Herford zwei gewerbliche Obstbaubetriebe und viele kleine meist mit Hilfe des amtlichen und ehrenamtlichen Naturschutzes neu angelegte Streuobstwiesen. Große Erdbeerfelder sind kreisweit zu finden. Alte Streuobstwiesen mit ihren Angeboten an Baumhöhlen stellen für viele Tierarten wie Steinkauz, Fledermäuse, Bilche (zum Beispiel Siebenschläfer) einen wertvollen Lebensraum dar. Lang ist die Liste der Säugetiere, Vögel, Kriechtiere und Lurche, der Insekten wie Schmetterlinge, Käfer, Wespen, Hummeln, Wanzen, Fliegen und Heuschrecken, der Spinnen, Milben, Schnecken und Würmern und nicht zu vergessen der unzähligen Pflanzenarten. In dieser Plantage hier wird versucht, den Belangen des Naturschutzes und des Ertragsobstbaus bei der Bewirtschaftung Rechnung zu tragen.

8. Gut Bustedt

Gut Bustedt zählt zu den wenigen Wasserschlössern im Kreis Herford, die erhalten sind. Geschichtlich gesichert ist, dass der „Droste” der Grafen von Ravensberg Heinrich Ledebur 1415 aus dem Bustedter „Hagenhof” eine Wasserburg bauen ließ. Das Gebäude und die dazu gehörenden Ländereien waren ein begehrtes Pfandobjekt, was bedeutete, dass Bustedt für eine bestimmte Entschädigungssumme erworben werden konnte. Es war sehr begehrt, da das Gut über den Zehnten hohe Erträge abwarf. Einige benutzten es sogar als Kapitalanlage, bewohnten es nicht selbst, sondern überließen es ihren Vögten als Dienstsitz. 1647 fiel die Grafschaft Ravensberg an das Haus Brandenburg, 1649 erhielt Wolf Ernst von Eller das Pfand Bustedt als Lehen und ließ die Burg bis 1662 zum Wasserschloss ausbauen und modernisieren und erweiterte es um den Ostflügel. Umgestaltungen und Umbauten fanden immer wieder im Innern des Wasserschlosses statt, um 1797/99 entstanden die Wandmalereien, die sich bis heute erhalten haben. In jener Zeit soll auch die Binnengräfte zugeschüttet und auf dieser Fläche ein Garten angelegt worden sein. Das Allianzwappen am Turm zeigt links das Familien­wappen derer von Eller (Windmühlensiegel mit Brustschild) und rechts das seiner Frau Juliane Charlotte von Calcum genannt Leuchtmar. Gut Bustedt blieb in dieser Familie, bis Wolf Ernst von Eller-Eberstein es 1964 an das Amt Herford-Hiddenhausen verkaufte. Zum Gut Bustedt gehörten Flächen des Bustedter Holz, der Bustedter Wiesen und des heutigen Industrie­gebiets westlich der Burg sowie der Bünder Heide, insgesamt circa 170 Hektar. Der überwiegende Teil der Flächen wurde von Pächtern bewirtschaftet.

Die Bustedter Wasserburg besteht aus der Hauptburg mit Turm und zweiflügeligem Wohngebäude und einer Vorburg mit Wirtschaftgebäuden; die Hauptburg ist nur über die Vorburg erreichbar. Die Hauptburg war von einem Graben umgeben - die heute noch vorhandene Gräfte. Eine Zugbrücke - heute eine feste Brücke - verband die Vorburg mit der Hauptburg. In dieser befanden sich im Nordflügel Saal, Küche und Keller. Der große Turm war Wehr- und Wohnturm zugleich, weshalb ”Bustedt” zu den Wohnturmburgen gehört, in denen der Burgherr mit seiner Familie wohnte. Die Bustedter Vorburg gilt als ebenso alt wie die Hauptburg, auf ihr befand sich bis ins 18. Jahrhundert ein landwirtschaftlicher Betrieb zu dem das Kuhhaus, dem in der Regel ein Molkereibetrieb angegliedert war, gehörte und das Bauhaus mit seinen Viehställen, Wagenremisen und Scheunen. 1827 wurden alle Bauten auf der Osthälfte der Vorburg abgerissen, das Stallgebäude auf der Westhälfte blieb bis heute stehen.

In den Gebäuden von Gut Bustedt ist heute der Verein BIOLOGIEZENTRUM BUSTEDT Ostwestfalen-Lippe e. V. untergebracht. Im Zuge der Renovierungs- und Instandsetzungsarbeiten wurden die Wandmalereien freigelegt und die Binnengräfte geöffnet. Die Flächen nördlich des Gutes gehören heute zum Naturschutzgebiet Bustedter Wiesen.