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Geflügelpest (Vogelgrippe)

Was ist Geflügelpest?
Die Geflügelpest oder Aviäre Influenza (von lat. avis, Vogel), umgangssprachlich auch Vogelgrippe genannt, ist eine durch Viren ausgelöste Infektionskrankheit, die ihren natürlichen Reservoirwirt im wildlebendem Wassergeflügel hat.

Bei den aviären Influenzaviren kann man grundsätzlich zwischen zwei Gruppen, den so genannten niedrig pathogenen („wenig krank machenden“) und den hoch pathogenen („stark krank machenden“) Influenzaviren, unterscheiden. Die hoch pathogenen aviären Influenzaviren (z. B. H5N8) können bei Nutzgeflügel, insbesondere bei Hühnern oder Puten zu hohen Tierverlusten führen. Die niedrig pathogenen Influenzaviren rufen dagegen oftmals nur geringe bis gar keine Krankheitsanzeichen hervor, da diesen Viren die Eigenschaften zum Auslösen einer schweren Erkrankung fehlen. Allerdings können diese Viren spontan zu einer hochpathogenen Form (hochpathogene aviäre Influenzaviren, HPAIV) mutieren. Nur die Infektion mit hochpathogenen aviären Influenzaviren wird als Geflügelpest bezeichnet. Geflügelpest ist für Hausgeflügel hochansteckend und verläuft mit schweren allgemeinen Krankheitszeichen. Betroffene Tiere zeigen Symptome wie hohes Fieber, Appetitlosigkeit, Schwäche, Teilnahmslosigkeit und Atemnot. Es kommt zu einem drastischen Rückgang der Legeleistung.

Ist der Erreger auf den Menschen übertragbar?
Nicht alle aviären Influenzaviren sind für den Menschen gefährlich. Laut Robert-Koch-Institut haben bisherige Erfahrungen gezeigt, dass vor allem Menschen mit engem Kontakt zu infiziertem Nutzgeflügel gefährdet sind. Insgesamt ist das Risiko jedoch auch dann als sehr gering einzuschätzen. Weitere Informationen erhalten Sie beim Robert-Koch-Institut.

Wie wird die Erkrankung übertragen?
Das Virus kann einerseits über den direkten Kontakt von Tier zu Tier übertragen werden. Insbesondere wild lebende Wasservögel sind häufig Virusüberträger. Sie erkranken selbst nicht an Geflügelpest, können das Virus aber über große Entfernungen verschleppen. Das Virus verbreitet sich auch über die Luft. Andererseits ist auch die indirekte Übertragung durch Menschen, Fahrzeuge, Mist, Futter oder Transportkisten möglich. Der Mensch ist ein bedeutsamer Überträger der Seuche: über nicht gereinigte und desinfizierte Kleider, Schuhe oder Hände kann die Geflügelpest weiter verbreitet werden.

Was passiert mit dem Geflügel bei Ausbruch der Seuche?
Die Gebiete um Fundorte (Wildvögel) bzw. um den Ausbruchsbetrieb (Hausgeflügel) werden zu Restriktionsgebieten: Sperrgebiet oder im weiteren Umkreis Beobachtungsgebiet. Bei Ausbruch in einem Hausgeflügelbestand wird der gesamte Geflügelbestand regelmäßig gekeult. Nach den rechtlichen Bestimmungen (Tierseuchengesetz und Geflügelpest-Verordnung) erlässt die zuständige Behörde Tierseuchenverfügungen, die tiefgreifende Auswirkungen auf die Geflügelhaltung in diesen Gebieten hat. Ende 2016 wurde eine längere landesweite Stallpflicht ausgerufen, die etwa 4 Monate dauerte. Wenn solche (Eil-)Verfügungen erlassen werden, bleibt keine Vorbereitungszeit mehr: das Geflügel darf ab sofort nicht mehr den Stall verlassen. Wohnt man in einem Gebiet, welches ohnehin durch Zugvögel leicht zum Restriktionsgebiet wird oder droht eine landesweite Stallpflicht, sind Maßnahmen zur Vorbereitung angeraten und vermeiden unnötige Hektik und Panik im Seuchenfall.

Wie können Sie Ihr Geflügel schützen?

  • Kein Kontakt zu Wildvögeln
  • Futter, Einstreu und sonstige Gegenstände, mit denen Geflügel in Berührung kommen, für Wildvögel unzugänglich aufbewahren
  • Stall vor unbefugtem Zutritt sichern
  • Nur Personen in den Bestand lassen, die diesen unbedingt aufsuchen müssen
  • Tragen von Schutzkleidung
  • Hände und Schuhe vor Betreten des Stalls desinfizieren
  • Kein Besuch von anderen Geflügelbeständen
  • Guter baulicher Zustand der Stallungen
  • Regelmäßige Schadnagerbekämpfung

Geflügelhalter sollten verstärkt auf die Biosicherheit in ihren Haltungen und Krankheitsanzeichen bei ihren Tieren achten. Sobald Sie Auffälligkeiten beobachten (z. B. unklare/vermehrte Krankheits- oder Todesfälle innerhalb eines kurzen Zeitraums, erhebliche Veränderung der Legeleistung oder der Gewichtszunahme) sind diese unverzüglich dem Veterinäramt Herford zu melden, um die Ursache abklären zu lassen. Anzeigepflichtig ist daher nicht nur der Ausbruch dieser Tierseuche, sondern bereits der Verdacht.

Eine Hilfestellung bietet die AI-Risikoampel zur Selbsteinschätzung der Biosicherheit im Geflügel haltenden Betrieb. Der Link zur Ampel und weitere aktuelle Informationen zur Lage in Deutschland finden sich auf der Internetseite des FLI.

Es wird vorsorglich darauf hingewiesen, dass bestehende Stallungen und Volieren auf jeden Fall verfügbar gehalten werden sollten, da bei geänderter Seuchenlage eine Stallpflicht nicht auszuschließen ist.

Was muss jeder Geflügelhalter tun?
Damit im Seuchenfall die Geflügelhalter informiert und die erforderlichen Bekämpfungsmaßnahmen schnell und effektiv umgesetzt werden können, ist eine Registrierung der Geflügelhaltung bei der Tierseuchenkasse NRW und beim Veterinäramt Herford erforderlich.

Danach ist jeder Halter (Hobby- und gewerblicher Halter) von Hühnern, Enten, Gänsen, Fasanen, Perlhühnern, Rebhühnern, Tauben, Truthühnern, Wachteln oder Laufvögeln verpflichtet – unabhängig von der Größe des Bestandes – seinen Betrieb spätestens bei Beginn der Tierhaltung der zuständigen Behörde, der Tierseuchenkasse der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, Nevinghoff 40, 48147 Münster (Tel. 0251-28982-0), anzuzeigen.

In diesem Zusammenhang wird darauf hingewiesen, dass im Falle eines Ausbruches der Geflügelpest ein Anspruch auf finanzielle Entschädigung durch die Tierseuchenkasse NRW nur dann besteht, wenn der Tierbesitzer seinen gesetzlichen Verpflichtungen, insbesondere der Tierzahlmeldung und Beitragszahlung, ordnungsgemäß nachgekommen ist.