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Pressemitteilungen

11.07.2018

Wenn zuhause auch die Gewalt wohnt

Wie Häusliche Gewalt Kinder traumatisiert. Experten diskutierten in Herford


Kreis Herford. Jede vierte Frau in Deutschland ist von häuslicher Gewalt betroffen – und fast immer betrifft die Gewalt auch die Kinder, auch wenn sie nur Beobachter der Situation sind. Auf Einladung des Fachforums gegen häusliche Gewalt im Kreis Herford haben sich Anfang Juli etwa 90 Fachleute im Denkwerk in Herford zu einem Fachtag „Häusliche Gewalt - Trauma-Umgang“ getroffen. Teilgenommen haben vor allem Mitarbeitende von Jugendämtern, Jugendhilfeeinrichtungen, örtlichen Beratungsstellen, Polizei und Justiz.

Im Mittelpunkt des Fachtages stand der Vortrag des Traumaexperten Alexander Korittko aus Hannover. Er berichtete über die Folgen, die erlebte Häusliche Gewalt für Kinder hat. Ein Schwerpunkt war dabei auch der Umgangskontakt der Kinder, wenn die Eltern getrennt leben. Der Traumaexperte Korittko warb dafür, dass aus Gründen des Kindeswohls in Fällen Häuslicher Gewalt der Grundsatz „Sicherheit zuerst“ gelten müsse und deshalb auch eine Einschränkung der Umgangskontakte möglich sein müsse.

Umgangskontakte müssten vom Interesse des Kindes aus bewertet werden. Korittko stellte klar, dass grundsätzlich das Selbstwertgefühl des Kindes durch den Umgang gestärkt werden müsse. Häufig ist die Häusliche Gewalt eine traumatische Erfahrung für die Kinder, auch wenn sie nur Beobachtende der Situation und nicht selbst Betroffene sind. Dabei gilt, je häufiger und intensiver Kinder Gewalt erleben, desto deutlicher zeigen sich körperliche und seelische Stressreaktionen, die dann auch in anderen Situationen automatisch ablaufen.
Im Umgang mit dem auslösenden Elternteil wird die traumatisierende Verhaltensweise dann wieder erlebt. Die unterschiedlichen Körperreaktionen „Flucht, Kampf, Erstarren und Unterwerfung“ führte Korittko schauspielerisch vor. Außerdem erläutert er, dass es noch die Reaktion der „instinktiven Täuschung“ gibt. Dabei spielt das Kind nach außen nur vor, dass es sich im Umgang wohlfühlt, um sich zu schützen. Die Stressreaktionen finden dann im Nachhinein statt und sind nicht unmittelbar mit dem Umgangskontakt in Zusammenhang zu bringen. Der Unterschied zwischen vorgetäuschter und tatsächlicher Harmonie im Umgang ist selbst für Fachleute nicht immer erkennbar. Deshalb stellte der Traumaexperte wichtige Leitfragen vor, die dabei helfen können, wenn über den Umgang zwischen Eltern und Kindern entschieden oder geprüft werden muss.

Auf dem Fachtag b

erichteten auch Daniela Allbrink und Zdravka Büttner vom Herforder Frauenhaus über den traumapädagogischen Ansatz des Frauenhauses und ihre Arbeit mit Gewaltopfern. Heike Wiechers von der Trennungs- und Scheidungsberatung des Sozialdienstes Katholischer Frauen erläuterte die Abläufe bei begleiteten Umgängen nach Häuslicher Gewalt. Dagmar Hemicker von der Beratungsstelle für Eltern, Jugendliche und Kinder des Kreises Herford stellte anhand eines Fallbeispiels die therapeutische Begleitung durch die Beratungsstellen dar. An der anschließenden lebhaften Diskussion waren mit der Frauenberatungsstelle und femina vita auch noch zwei weitere örtliche Beratungsstellen beteiligt, bei der die Betroffenen Hilfe finden können.

Zusatzinfo:
Der Vortrag vom Traumaexperten Alexander Korittko ist auf den Internetseiten des Kreises Herford (www.kreis-herford.de) und des Fachforums gegen Häusliche Gewalt veröffentlicht.
Der nächste Fachtag des Fachforums gegen häusliche Gewalt findet am 12.September zum Thema „Häusliche Gewalt und Umgangsrecht“ in Bünde statt.