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Pressemitteilungen

24.09.2021

Von Drohnen, GPS und 3D-Modellen: So arbeitet das Katasteramt des Kreises

In der Kreisverwaltung Herford gibt es die verschiedensten Themen- und Berufsfelder. Eines der ältesten davon ist das Katasteramt. Doch was passiert dort eigentlich?

„Die Katasterarbeit ist unglaublich spannend und vielseitig. Bei uns bekommt man den ständigen technischen Fortschritt hautnah mit“, erklärt Amtsleiterin Sonja Boxhammer. Früher zeichneten die Vermessungstechniker in weißen Kitteln mit Bleistift, Ziehfeder und Tusche auf großen Kartonblättern die Katasterkarten. Die offizielle Schriftart war sogar Altdeutsch, das sogenannte Sütterlin. Heute funktioniert fast alles digital und am Rechner. Gearbeitet wird mit Drohnen, GPS und 3D-Modellen. Sämtliche grafische Karten des Kreises sind online abgebildet.

Das lockt auch viele junge Menschen an. Zwei davon sind Joel Malk (20) und Hannah Lattek (19). Die beiden Abiturienten absolvieren seit dem 01. August diesen Jahres ihre Ausbildung im Katasteramt des Kreises. Das Besondere beim Kreis: Auszubildende bekommen in ihrem ersten der drei Ausbildungsjahre Einblicke in alle Bereiche der Geoinformationstechnologie und haben in dieser Phase Zeit zu entscheiden, ob sie sich in den restlichen zwei Jahren zum Vermessungstechniker oder zum Geomatiker ausbilden lassen. Bis dahin verläuft die Ausbildung für beide Berufsfelder gleich – sowohl in der Schule als auch auf der Arbeit. „Diese Flexibilität bieten nur wenige Ausbildungsstellen“, versichert Ausbildungsleiter Daniel Esselbrügge.

Die Ausbildung von Nachwuchskräften hat sich das Katasteramt Herford seit vielen Jahren besonders auf die Fahnen geschrieben. Jedes Jahr werden zwei neue Azubis als Vermessungstechniker oder Geomatiker ausgebildet. Damit sind ständig sechs Azubis gleichzeitig in der Ausbildung. Zusammen mit den Jungtechnikern können sich die Auszubildenden auf ein junges Team freuen – und dürfen sich Hoffnungen auf eine langfristige Beschäftigung beim Kreis machen: „Mancher Azubi bleibt uns nach der Ausbildung erhalten, mancher schließt ein Studium an und kommt danach ins Katasteramt Herford zurück. Die Aussichten für Techniker und Ingenieure für die Zukunft sind hervorragend“, so Sonja Boxhammer. Auch aktuell sucht der Kreis wieder zwei Azubis für das Katasteramt zum August 2022.

Was machen Vermessungstechniker*innen und Geomatiker*innen konkret?

Vermessungstechnikerinnen und Vermessungstechniker arbeiten im Außen- und Innendienst. Mit modernen Vermessungsgeräten wie Tachymetern, GPS und Drohnen bestimmen sie die Lage von Gebäuden oder den Verlauf von Grundstücksgrenzen. Im Innendienst werden die Vermessungen mit Fachsoftware ausgewertet und in die digitale Liegenschaftskarte eingezeichnet. Im Bereich der Geomatik wird mit diesen Daten dann weitergearbeitet. Etwa zur Erstellung von 3D-Modellen oder zur Aufbereitung für Onlinedienste und mobile Endgeräte.

Das Katasteramt arbeitet dabei mit vielen verschiedenen Fachdisziplinen wie der Bau- und Umweltverwaltung, dem Krisenmanagement oder Fachbereichen in den Städten und Gemeinden zusammen. Mit Hilfe der Drohne des Katasteramtes wird beispielsweise der Füllstand der Mülldeponie Reesberg regelmäßig überprüft. Hierbei werden in regelmäßigen Abständen Bildflüge durchgeführt, um die Veränderungen der Deponieoberfläche genau zu erfassen. Zudem wurde die Umgestaltung des ehemaligen  Kaufhofgeländes in Herford durch Geomatiker des Kreises vorab computergestützt simuliert.

Bei all diesen Prozessen werden die Auszubildenden aktiv mit einbezogen. „Ich habe beispielsweise in den letzten Tagen eine Route zwischen verschiedenen Denkmälern im Kreis entworfen, die für die Aktion „Zeitreisen 24/7“ des Kreisheimatvereins verwendet wird“, berichtet die Auszubildende Hannah Lattek. Für Joel Malk ist ein weiterer Aspekt interessant: „Ich bin sehr geschichtsinteressiert. Wir haben Einblicke darin, wie es bei uns im Kreis vor über 150 Jahren aussah. Es ist spannend zu sehen, wie sich hier alles entwickelt hat“, erzählt der 20-Jährige.

Und Und was braucht es, um beim Katasteramt des Kreises anzufangen? „Man sollte in jedem Fall mathematisch bewandert sein und vor allem Spaß am Tüfteln und Arbeiten vor dem Computer haben“, so Joel Malk. „Zusammen mit unseren Einsätzen im Außendienst ergibt das eine gute Mischung“.

Kürzlich gab es im Katasteramt des Kreises zwei 50jährige Dienstjubiläen. Auch wenn es Joel und Hannah beim Kreis sehr gut gefällt, „wissen wir natürlich nicht, ob wir es auch so lange schaffen“, sagt Hannah Lattek mit einem Augenzwinkern.