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Pressemitteilungen

16.09.2021

Mitglieder vom Naturschutzbeirat und Umweltausschuss schauen sich Naturschutzmaßnahmen in Löhne und Vlotho an

Wo Rebhühner und Feldlerchen angelockt werden

Kreis Herford.  „Im Grünen Lande“ – passender kann der Straßenname für dieses Stück Erde nicht sein: Wildblumenwiesen, brummende Insekten,

Vogelgezwitscher, wild beackerte Flächen und etliche neu gepflanzte Baumgruppen: Auf einer 75 Hektar großen Fläche in Löhne-Gohfeld, nahe des Bramschebachtals, entsteht ein kleines Naturparadies. Weit genug entfernt von der A30 erinnert dieser idyllische Ort dennoch an die Autobahn, denn diese Fläche ist die Ausgleich für die Fläche, die wegen des Baus der A30-Nordumgehung Bad Oeynhausen und den Ausbau der Bundesstraße 611 weichen musste.

„Grundsätzlich hat jede Ausgleichsmaßnahme für die Natur eine traurige Vorgeschichte, denn sie dokumentiert, dass für ein Bauvorhaben Natur und Landschaft zerstört wurde. Nichts destotrotz sehen wir hier ein wunderbares Gebiet, mit dem wir landschafts- und naturschonend umgehen können, und die Fläche grenzt zudem an eines unserer Naturschutzgebiete und vergrößerte es somit. Unser langfristiges Ziel ist es, kompaktere und großflächigere Einheiten von Naturschutzgebieten im Kreisgebiet zu schaffen“, erklärt Christian Antl, Vorsitzender des Umwelt- und Planungsausschusses beim Kreis Herford.

Er und etwa 30 weitere Mitglieder dieses Ausschusses sowie des Naturschutzbeirates schauen vor Ort, wie sich die Aufforstung, die neuen naturnahen Grünland- und Ackerflächen und die Tierwelt entwickelt. Hier sollen vor allem Rebhühner und Feldlerchen angelockt werden - sie sind noch zurückhaltend, aber Insekten gibt es hier bereits reichlich.

Ende 2015 ist mit den Maßnahmen begonnen worden, die ersten Gehölze und Baumgruppen wurden gepflanzt, nun wachsen sie bereits 2-3 Meter hoch. Noch verhindert eine Umzäunung, dass die frischen Triebe von Tieren verbissen werden. Es sind vor allem Buchen – und Eichengruppen, umrahmt von Wildobstbäumen und Weißdorn und Heckenrosen.

Die jährliche Busbereisung des Naturschutzbeirates und des Umweltausschusses des Kreises Herford führt die Mitglieder zu zwei weiteren Naturgebieten nach Vlotho.

Den Wald sich selbst überlassen – Kreiseigener Wald in Vlotho zeigt Maßnahmen des neuen kreisweiten Waldkonzeptes

Zweite Anlaufstelle ist ein kreiseigener Wald in Vlotho. Im Bereich Ebenöde besitzt der Kreis Herford einen etwa 35 Hektar großen Wald. Dieser grenzt an ein über 300 Hektar großes Waldgebiet. Vor Ort wird ein absterbender Fichtenbestand abseits der Spazierwege begutachtet. „Die Bäume werden sich selbst überlassen, der Wald soll sich möglichst selbst renaturieren. Das Totholz soll langfristig Lebensraum für vor allem artengeschützte Insekten oder Vögel sein“, erklärt Klaus Kernebeck von der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises. Schon jetzt zeigen sich neue Baumkulturen - junge Fichten- und Buchen sowie Ahorntriebe setzen sich durch. Im kreiseigenen Wald entwickeln sich zudem, neben den recht jungen Buchen und Eichen, auch viele Bergahornbäume: „Je vielfältiger ein Wald ist, umso widerstandfähiger entwickelt er sich“, fasst Kernebeck zusammen.  

Die Maßnahme ist auch Teil eines Kreistagsbeschlusses, in dem sich das Gremium Mitte dieses Jahres mit der Zukunft der kreiseigenen Wälder auseinandersetzt hat. Ein eigenes Waldkonzept soll nicht mehr vordergründig die Holznutzung für die Kreiswälder in den Blickpunkt haben, sondern vielmehr den Klima-, Natur- und Artenschutz. Wälder sollen naturnaher bewirtschaftet und geschont werden.

Naturschutz für Mensch und Tier: Wacholderheide, Heidschnucken und  historischer Kalk

 – Der Selberg in Vlotho

Nächster Halt auf der Tour durch das Kreisgebiet ist der Kleine Selberg in Vlotho – eine besondere Augenweide für Wanderer und Spaziergänger. Zum Naturschutzgebiet gehört eine ausgeprägt wachsende Wacholderheide, zahlreiche Hecken-, Artenschutzgewässer-  und Bodenschutzmaßnahmen wurden in den vergangenen Jahren hier umgesetzt.

Eine Heidschnucken- und eine Rinderherde machen sich an den Hängen als natürliche „Rasenmäher“ nützlich: „Die Beweidung ist das A+O dieser Fläche, denn sie sorgt dafür, dass die Fläche offen bleibt und sich auf ganz natürliche Art und Weise naturnah weiterentwickelt“, erklärt Timo Schubert von der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises. Und das macht sich seit Jahren bemerkbar: Hier brütet beispielsweise der artengeschützte Neuntöter, viele Orchideenarten blühen um die Wette, seltene Molch- und Grasfroscharten haben sich angesiedelt.

Die letzte große Maßnahme war die Freilegung eines Kalkstein-Steinbruches - ein landschaftlich-historisches Naturgut, denn im Kreisgebiet ist es die einzige Kalkfläche dieser Art. Die gesamte Kuppe wurde freigelegt, pure Stein- und Felslandschaften prägen nun das Landschaftsbild.

Natürliche Steinhaufen, magerer Trockenrasen und der Südhang ziehen zahlreiche Insektenarten, wie den Wiesenfalter und zahlreiche Wildbienenarten an, aber auch seltene Reptilienarten haben hier einen neuen Lebensraum gefunden. 

Zusatzinfos:

Die gemeinsame Bustour des Umweltausschusses und des Naturschutzbeirates wird in der Regel einmal im Jahr organisiert und hat immer unterschiedliche Schwerpunkte. Beide Gremien haben thematisch viele Anknüpfungspunkte.

Der Ausschuss für Umwelt und Planung des Kreises Herford  besteht aus 18 Mitgliedern der Parteien des Kreistages, dem höchsten Gremium des Kreises Herford. Der Ausschuss ist u.a. zuständig für alle Angelegenheiten des Umwelt-, Natur und Landschaftsschutzes im Kreis Herford. So gibt es beispielsweise über 40 Naturschutzgebiete mit einer Gesamtfläche von über 1.700 Hektar. Der Ausschuss berät die Angelegenheiten des Kreistages vor und kann auch ggf. abschließend entscheiden.


Der Naturschutzbeirat des Kreises Herford besteht aus 16 Mitgliedern. Er vertritt die Belange von Natur und Landschaft und soll bei Pflege, Entwicklung und Schutz der Landschaft mitwirken. Er berät darüber hinaus die untere Naturschutzbehörde des Kreises Herford. Die Sitzungen des Beirats sind öffentlich, denn sie haben auch die Absicht, Naturschutz und Landschaftspflege der Öffentlichkeit näher zu bringen. Die Mitglieder des Beirates sind vom Kreistag berufen.