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Pressemitteilungen

10.09.2021

»Komm auf Tour« im alten Güterbahnhof: Wertvolle erste Orientierung

800 Schüler*innen aus dem Kreisgebiet - die meisten aus der 8. Klasse - besuchten vom 30.08. bis zum 03.09. den Erlebnisparcours "Komm auf Tour". In der Halle des ehemaligen Güterbahnhofs in Herford nahmen sie jeweils in Gruppen von 40 bis 60 Teilnehmenden an einer zweistündigen Reise teil, bei der sich an vier Stationen alles um ihre persönliche Zukunft drehte.

„Wer in diesem Alter ist, ist noch dabei, sich selbst zu finden", sagt Eduard Rammert, Schulrat im Kreis Herford. „Entsprechend geht es in dem Projekt darum, eigene Stärken zu entdecken". Für die Schüler*innen ist das eine durchweg positive Erfahrung.  Das Konzept hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung mit der Bundesagentur für Arbeit entwickelt. Bundesweiter Träger des Projektes ist Sinus – Büro für Kommunikation in Köln. Im Kreis Herford waren der Kreis mit seinem Bildungsbüro und dem Projekt KAoA ("Kein Abschluss ohne Anschluss"), das Schulamt und die Agentur für Arbeit mit im Boot.

Während der Tour entlang der vier Stationen bekommen die Schüler*innen von Reisebegleitern kleine Stärkenaufkleber auf den Rücken gepeppt. Die Kategorien: Zahlen, Dienste, Ordnung, Fantasie, Hände, Grüner Daumen und Reden. Sie sind mit Eigenschaften verbunden, die in Berufsrichtungen deuten. Der Aufkleber "Meine Dienste" bedeutet etwa, dass der Schüler in einer von den Reisebegleitern beobachteten Situation an einer Station eine besondere Kompetenz gezeigt hat, andere Menschen zu unterstützen. Ist die Tour vorüber, werten die Schüler*innen ihre Aufkleber selber aus. Sie sehen dann, in welchen Bereichen bei ihnen die meisten Stärken beobachtet wurden.

"Die Schüler bekommen so eine Orientierung. Spannend ist es für sie zu sehen, wo andere ihre Stärken sehen. Am Ende des Erlebnisparcours entscheiden die Schüler, welche der Stärken sie am meisten interessiert. An Stärkeschränken verbinden sie diese mit möglichen Berufsfeldern, die sie in einem nächsten Schritt bei einer Berufsfelderkundung überprüfen können", sagt Carsten Keller, Tagesmanager der Tour in Herford.

Die Reisebegleiter*innen sind Mitarbeitende des Kreises Herford sowie der Agentur für Arbeit, aber auch Auszubildende. So beteiligten sich etwa der Küchengerätehersteller Imperial aus Bünde und der Energienetzbetreiber "Westfalen Weser Netz" mit Auszubildenden an dem Vormittag, an dem Schüler*innen der Gesamtschule Kirchlengern zu Besuch waren. Dass die Reisebegleiter*innen und Schüler*innen ins Gespräch kommen, etwa beim Wechsel der Stationen, ist Teil des Konzepts.

Die Stationen bilden eine Erlebnisreise. Sie sind auf Interaktion ausgelegt, die Schüler*innen zum Handeln auffordert: Im Labyrinth geht es um Orientierung. Im Zeittunnel darum, in die eigene Zukunft zu schauen. Auf der Bühne darum, sich in Form von kurzen Szenen in Rollen auszuprobieren. Und in der Station Sturmfreie Bude soll die eigene Wohnung nach einer Party wieder aufgeräumt werden.

"Die Stationen setzen einen spielerischen Impuls, die Aufgaben lösen die Schüler alleine oder in Kleingruppen", sagt Carsten Keller. Wichtig sei, dass es nicht nur um mögliche Berufe, sondern auch um Lebensentwürfe geht. "Wir wollen den Jugendlichen aufzeigen, dass es viele verschiedene Wege gibt, diese nicht immer gradlinig verlaufen müssen und es auch darum geht, andere Vorstellungen der Mitschüler zu respektieren".

"Bevor sie in ihrer Schulzeit die echten Berufsfelder in der Arbeits- und Berufswelt mit verschiedenen Praktika erkunden, ist die Veranstaltung die beste Möglichkeit vor allem eigene Stärken und mögliche Kompetenzen zu entdecken. Lehrende gewinnen einen guten Einblick in die Welt der Stärken ihrer Schüler und Schülerinnen. Das wird bei einem beratenden Gespräch eine sehr große Hilfe sein", sagt Volker Muskat, Lehrer und Koordinator für berufliche Orientierung an der Erich Kästner-Gesamtschule Kirchlengern.

Auch Olaf Craney von der Agentur für Arbeit ist von dem Konzept überzeugt. "Dieses Projekt ist für uns der Start für die Berufsorientierung in der Schule, es ist eine tolle Unterstützung". In den Monaten danach geht die Agentur für die Arbeit selbst in die Klassen und arbeitet mit den Schüler*innen. Die Eltern wiederum werden bei "Komm auf Tour" durch Elternabende eingebunden. In der Woche, in der das Projekt in Herford Station machte, bot das Bildungsbüro des Kreises zwei von ihnen an. Beide waren gut besucht.Die Eltern seien laut Anna Butenuth, Mitarbeiterin des Bildungsbüros, „die wichtigsten Berufsberater, weil sie die engsten Bezugspersonen sind. Entsprechend wichtig ist es, sie einzubeziehen“.