Seiteninhalt

Pressemitteilungen

30.01.2018

Plattdeutsche Ortsnamen auf Ortseingangsschildern

Kreis Herford. Seit vielen Jahren setzt sich der Kreisheimatverein Herford dafür ein, die niederdeutschen Ortsnamen zusätzlich zu den hochdeutschen Namen in kleinerer Schrift auf die Ortseingangsschilder im Kreis Herford zu bringen. Die Landesregierung hat jetzt die Bedingungen dafür soweit verbessert, dass konkrete Schritte in diese Richtung gegangen werden können.

Eine wichtige Frage auf diesem Wege: Wie heißt denn nun der jeweilige Ort auf Plattdeutsch tatsächlich und wie schreibt man das richtig? Die Antwort gibt die plattdeutsche Kreiskarte, die eine Arbeitsgruppe des Kreisheimatvereins schon vor Jahren herausgebracht hat. Auf dieser Karte sind 378 Namen aus dem ganzen Kreisgebiet verzeichnet. Die Arbeitsgruppe setzte sich aus Plattdeutschsprechern aus dem ganzen Kreisgebiet zusammen. Sie hatten das Plattdeutsch noch als Muttersprache gelernt. Die Schreibweise richtete sich nach dem Klang der Namen, wie sie Gewährsleute aus dem jeweiligen Ort sprachen, und wurde besonders sorgfältig abgehört und aufgeschrieben.

Wenn jetzt an verschiedenen Orten im Kreis Herford die Aufnahme der Namen auf die Ortsschilder diskutiert wird, empfiehlt es sich, die Namen so zu schreiben, wie sie die plattdeutsche Kreiskarte verzeichnet hat. Damit ist man auf der sicheren Seite.


Die plattdeutsche Kreiskarte „Doa send wui to Hius“ ist in der Geschäftsstelle des Kreisheimatvereins im Herforder Kreishaus, Amtshausstraße 3, erhältlich. Es gibt sie als Papierversion und als sprechende Karte auf DVD. Beide kosten jeweils 9,90 €. Bestellbar auch über www.kreisheimatverein.de (Papierversion hier 12,40 €).

Hintergrund:
Warum überhaupt plattdeutsche Namen auf Ortseingangsschildern?
Die niederdeutsche Sprache ist ein uraltes Kulturgut aus der deutschen Geschichte. Zur Zeit der Hanse war Niederdeutsch die vorherrschende Geschäftssprache des gesamten Raums zwischen London und Nowgorod. Erst in der Neuzeit wurde es vom Hochdeutschen verdrängt.
Inzwischen gehört das Niederdeutsche zu den aussterbenden Sprachen, wie einige tausend andere Sprachen weltweit. Sowohl die UNO als auch der Europarat haben sich für den Erhalt der Regionalsprachen stark gemacht. Sie werden in der Europäischen Union grundsätzlich akzeptiert und gefördert. In vielen europäischen Ländern finden sich regionalsprachliche Ortsnamen auf Ortsnamenschildern. In Deutschland ist die Mehrsprachigkeit in Brandenburg und Sachsen (sorbisch), Schleswig-Holstein (friesisch und dänisch) sowie Hamburg (niederdeutsch) und Niedersachsen (niederdeutsch, friesisch) üblich.
Im Kreis Herford besteht jetzt die Möglichkeit, dem Plattdeutschen in der hiesigen Variante einen wertvollen Dienst zu erweisen. Auch wenn keine Aussicht besteht, das Plattdeutsche als Alltagssprache zu erhalten, so können doch die verbliebenen Sprachstücke die ganz eigene geistige Welt der alten Sprache zwischen Wiehengebirge und Teutoburger Wald in Erinnerung halten. Ortschilder mit plattdeutschen Ortsnamen sind besonders wirkungsvolle und symbolträchtige Mittel dafür.

Ostwestfalen ist eine starke Region, in der es sich zu leben lohnt. Ein bisschen mehr Selbstbewusstsein täte ihr allerdings gut, wie oft festgestellt wird. Andere starke Regionen wie Schwaben, Bayern oder das Rheinland schämen sich ihrer Regionalsprache nicht; sie setzen sie im Gegenteil selbstbewusst ein. Ihrer Weltoffenheit schadet es offenbar nicht.