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Pressemitteilungen

22.09.2022

Naturschutzbeirat und Umwelt- und Planungsausschuss bereisen Naturschutzprojekte im Kreisgebiet

Vom kleinen „Bächelein“ über leichte Rinder hin zur Solidarischen Landwirtschaft

Kreis Herford. Leise plätschert es in Herford-Falkendiek im Naturschutzgebiet Bramschebach-/Nagelsbach – wer Glück hat entdeckt und hört außerdem besonders geschützte Vögel wie den Neuntöter oder den Eisvogel oder sieht seltene Amphibien- oder Insektenarten wie Grasfrosch und Sumpfschrecke.  Stets zu bestaunen gibt es das ganze Jahr über einen neuen Wasserfluss: Naturnah ist Anfang des Jahres ein etwa 50 Zentimeter breites Nebengewässer des Bramschebaches offengelegt worden Selbst im heißen Sommer floss permanent Wasser und hat Flora und Fauna unterstützt und geschützt. Leicht geschwungen verläuft das Wasser bergab vom Waldrand über ein Wiesen- und Weidegelände. Eine Furt für landwirtschaftliche Fahrzeuge und präparierte Wege für Weidetiere sind dem Landschaftsbild angepasst und sorgen dafür, dass das „kleine Bächelein“ geschützt bleibt, zwei zusätzlich errichtete Tümpel vervollständigen das neue Biotop.

 „Wir sehen hier, dass das Geld vom Kreis Herford richtig angelegt wurde. Es ist ein vorbildliches Projekt für den Naturschutz. Früher wurden Gewässer in solchen Sieken viel zu häufig

verrohrt, um die Flächen beackern zu können. Dieser neu offengelegte Bachlauf und die beiden zusätzlichen Kleingewässer zeigen, dass es gute Alternativen gibt. Ein tolles Projekt. Davon brauchen wir mehr!“, erklärt Ullrich Richter, Vorsitzender des Naturschutzbeirates vom Kreis Herford.

Er und etwa 30 weitere Mitglieder vom Beirat und vom Ausschuss für Umwelt und Planung des Kreistages schauen vor Ort, wie sich gemeinsam vorbereitete Naturschutzmaßnahmen entwickeln.

Alljährlich findet dazu bereits seit über 15 Jahren eine gemeinsame Busbereisung durch das Kreisgebiet statt, erklärt Umweltdezernentin des Kreises Dr. Beatrix Wallberg: „Der Austausch dieser beiden Gremien ist enorm wichtig und fruchtbar. Die Busreise ist eine Erfolgsgeschichte für uns alle, denn es kommen viele Interessensbereiche zusammen:  Naturschutzverbände, landwirtschaftliche Vertretungen aber auch Politikerinnen und Politiker sowie die Verwaltung. Es ist großartig vor Ort zu sehen, wie sich die gemeinsam beschlossenen Maßnahmen in der Natur umsetzen.“

Zweite Station der Busbereisung ist ein weiteres Projekt im selben Naturschutzgebiet, nur etwa zwei Kilometer weiter in der Dornberger Heide. Auf zugekauften Flächen des Kreises werden Flächen an heimische Landwirte verpachtet. Begrüßt werden die „Naturschutz-Reisenden“ von einem vorsichtigen „Muh“ eines Angusrindes. Vier dieser englischen schwarzen Leicht-Rinderrasse beweiden derzeit eine Grünlandfläche.  Sie verursachen gerade in feuchteren Gebieten weniger Schäden als schwerere Rinderrassen. Hecken, Obstbäume und Stillgewässer sind in diesem Bereich naturnah aufgewertet. Bis 2025 sollen weitere Flächen renaturiert sein, auch Schafe wird man hier mal blöken hören.

 „Es ist wunderschön hier“ so Christian Antl, Vorsitzender des Umwelt- und Planungsausschusses, „und es tut gut, Beschlüsse, die auf dem Papier gefasst wurden, einmal ganzheitlich zu betrachten.

 Dritte Anfahrts- und Anlaufstelle ist der Winterberg in Vlotho-Valdorf. Dunkle Wolken und ein Regenguss begleiten die Besichtigung eines Betriebes im dortigen Landschaftsschutzgebiet.

Im Gewächshaus der solidarischen Landwirtschaft Vlotho gibt es – neben Tomaten- und Paprikastauden - Informationen über diesen ganz speziellen Betrieb. Er hat sich fokussiert auf den ökologischen Obst- und Gemüseanbau, das alles landschafts- und naturschonend im Biolandbetrieb. 120 Familien beteiligen sich an der solidarischen Landwirtschaft, helfen und ernten mit und unterstützen den Umweltgedanken.

Der Betrieb hat u.a. einige Grünland- und Ackerflächen des Kreises Herford gepachtet und pflegt darüber hinaus, nach Absprache mit dem Kreis, diese Flächen im Sinne des Landschaftsschutzes. „Hier wird Naturschutzarbeit mit ökologischer Landwirtschaft verkoppelt. Dieser Aspekt ist ein weiteres Beispiel für die Vielfältigkeit unserer Naturschutzmaßnahmen“, resümiert Umweltdezernentin Wallberg.   

Der Regen hat sich verzogen und auch für die Gruppe geht es langsam aber mit vielen Impulsen zurück zum Kreishaus. Der Bus schlängelt sich gemächlich durch einige Serpentinen den Vlothoer Winterberg hinab und es bieten sich für alle noch einmal ein paar wunderbare Blicke auf das Bergland in Vlotho.

Zusatzinfos:

Die gemeinsame Bustour des Umweltausschusses und des Naturschutzbeirates wird in der Regel einmal im Jahr organisiert und hat immer unterschiedliche Schwerpunkte. Beide Gremien haben thematisch viele Anknüpfungspunkte.

Der Ausschuss für Umwelt und Planung des Kreises Herford besteht aus 18 Mitgliedern der Parteien des Kreistages, dem höchsten Gremium des Kreises Herford. Der Ausschuss ist u.a. zuständig für alle Angelegenheiten des Umwelt-, Natur und Landschaftsschutzes im Kreis Herford. So gibt es beispielsweise über 40 Naturschutzgebiete mit einer Gesamtfläche von über 1.700 Hektar. Der Ausschuss berät die Angelegenheiten des Kreistages vor und kann auch ggf. abschließend entscheiden.


Der Naturschutzbeirat des Kreises Herford besteht aus 16 Mitgliedern unterschiedlichster Gruppierungen. Er vertritt die Belange von Natur und Landschaft und soll bei Pflege, Entwicklung und Schutz der Landschaft mitwirken. Er berät darüber hinaus die untere Naturschutzbehörde des Kreises Herford. Die Sitzungen des Beirats sind öffentlich, denn sie haben auch die Absicht, Naturschutz und Landschaftspflege der Öffentlichkeit näher zu bringen. Die Mitglieder des Beirates sind vom Kreistag berufen.