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Pressemitteilungen

25.11.2019

Fachforum: »Schutz und Sicherheit für Frauen und Kinder in der Praxis - Umgangsrecht nach Häuslicher Gewalt«

Kreis Herford. Auf Einladung des Fachforums gegen häusliche Gewalt im Kreis Herford haben sich etwa 90 Fachleute im Kreishaus zu einem Fachtag „Schutz und Sicherheit für Frauen und Kinder in der Praxis - Umgangsrecht nach Häuslicher Gewalt“ getroffen. Teilgenommen haben Mitarbeitende aus Jugendämtern, Jugendhilfeeinrichtungen, Kindergärten, Schulen, örtlichen Beratungsstellen, Polizei und engagierte Bürgerinnen und Bürger.

Landrat Jürgen Müller betonte als Schirmherr des Fachforums die große Bedeutung der Zusammenarbeit der verschiedenen Fachstellen, um die Betroffenen wirkungsvoll schützen zu können.



Referentin Christine Böttger, Verfahrensbeiständin aus Bremen und Mitarbeiterin in einer Studie über Partnerschaftsgewalt und Umgangsrecht, wies auf Schutzlücken im Sorge- und Umgangsrecht hin. Gewaltbetroffene Mütter müssten ernst genommen werden, wenn diese sich gegen ein sofortiges Umgangsrecht für den Partner nach der Trennung aussprechen. „Es ist eine Fehlannahme, dass die Gewalt mit der Trennung zu Ende ist“, so Böttger. Es brauche klar geregelte Verfahrensstandards und eine getrennte Anhörung der Elternteile bei Häuslicher Gewalt.

Andreas Hornung, Richter am Oberlandesgericht Hamm, wies auf die Standards aus der „Warendorfer Praxis“ hin. Diese bieten seit zehn Jahren eine bewährte Lösung von Verfahrensstandards an. „Diese Standards sind aus einer Vernetzung von Gerichten, Jugendhilfe, Frauenhaus, Beratungsstellen und anderer örtlicher Akteure entstanden und führen dazu, dass die erlebte Gewalt in den Verfahren überhaupt eine Rolle spielt. Denn das ist die größte Gefahr, dass das was die Opfer erlebt haben, in den schnellen Verfahren zum Umgangsrecht nicht bekannt wird“.

Simona Langenberg, Geschäftsführerin des Koordinierungsteams zur Umsetzung der Ziele des Fachforums gegen Häusliche Gewalt, zog eine positive Bilanz der Veranstaltung und kündigte einen intensive Beschäftigung mit den gewonnenen Erkenntnissen und Anregungen an.



Jedes Jahr kommt es im Kreis Herford zu 250 bis 300 Polizeieinsätzen wegen Häuslicher Gewalt. Darüber hinaus gibt es ein großes Dunkelfeld. Alle zwei bis drei Tage wird eine Frau in Deutschland von ihrem (Ex-)Partner getötet (BKA 2018) – jeden Tag gibt es einen Mordversuch.
Laut Studien erlebt bundesweit jede vierte Frau in ihrem Leben häusliche Gewalt, in 60 Prozent der Fälle von Gewaltbeziehungen sind auch Kinder betroffen, über die Hälfte der Kinder erleben die Gewaltsituationen mit.

Infos zum Fachforum gegen häusliche Gewalt im Kreis Herford:

Das Fachforum gegen häusliche Gewalt im Kreis Herford ist 2003 gegründet worden und steht unter der Schirmherrschaft des Landrates des Kreises Herford. Das Fachforum richtet sich an die Fachleute aus Jugendämtern, Justiz, Polizei, Beratungsstellen aber auch in Kindergärten und Schulen, die in vielfältigen Zusammenhängen mit Eltern in Trennungssituationen in Kontakt sind und hat das Ziel die Zusammenarbeit der Institutionen zu verbessern und über die Häusliche Gewalt aufzuklären.

Ziele des Fachforums gegen häusliche Gewalt sind unter anderem die Verbesserung des Schutzes der Opfer und der Hilfs- und Unterstützungsangebote. Zur Umsetzung der Ziele des Fachforums gegen Häusliche Gewalt gibt es ein Koordinierungsteam, das auch die öffentlichen Veranstaltungen plant und umsetzt. Diesem Team gehören beispielsweise die Frauenberatungsstelle Herford e.V. und Notruf, der Frauenhaus e.V., die Beratungsstelle für Eltern, Jugendliche und Kinder des Kreises Herford, die Jugendämter der Stadt und des Kreises Herford sowie die Gleichstellungsbeauftragten der Städte Enger und Bünde, des Kreises Herford und des Klinikum Herford an.

Das Fachforum ist unter www.fachforum-gegen-haeusliche-gewalt-im-kreis-herford.de im Internet erreichbar.