Seiteninhalt

Pressemitteilungen

30.10.2019

Ausstellung im Kreishaus - Kranke und behinderte Menschen im Nationalsozialismus

erfasst, verfolgt, vernichtet: vom 28. Oktober bis 29. November 2019 im Kreishaus Herford, Eröffnung am 29. Oktober 2019 um 18 Uhr Kreishaus Herford
Veranstalter: Kuratorium Erinnern Forschen Gedenken e.V. / Gedenkstätte Zellentrakt Herford
und
Gemeindepsychiatrischer Verbund Kreis Herford e.V. (GPV)

Öffnungszeiten:

Montag – Donnerstag 7:30 – 17:30 und Freitag 7:30 – 13:00 Uhr, Kontakt und Anmeldung für Schulklassen/Gruppen Kuratorium Erinnern Forschen Gedenken e.V.

Gedenkstätte Zellentrakt

05221 189257

info@zellentrakt.de



Allgemeine Informationen zur Wanderausstellung:
Die Wanderausstellung der DGPPN (Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkund) wurde in Kooperation mit den Stiftungen Denkmal für die ermordeten Juden Europas und Topographie des Terrors erstellt und seit 2014 bereits von mehr als 500.000 Menschen besucht, sie war schon national und international an 73 Standorten in 8 verschiedenen Ländern auf 5 Kontinenten zu sehen. Die Wanderung der Ausstellung endet im Januar 2020 in Heidelberg. Eine Dokumentation zur Ausstellung ist in Arbeit.
Die Ausstellung wurde bisher in verschiedenen Einrichtungen wie Parlamenten, Gedenkstätten, Kongressen oder Kliniken präsentiert und stellt häufig mithilfe eines Begleitprogramms einen konkreten Bezug zu der jeweiligen Region her.
Bis zu 400.000 Menschen wurden zwischen 1933 und 1945 zwangssterilisiert, mehr als 200.000 wurden ermordet. Bei der Selektion der Patienten wurde der vermeintliche „Wert“ des Menschen zum leitenden Gesichtspunkt. Ärzte, Pflegende und Funktionäre urteilten nach Maßgabe von „Heilbarkeit“, „Bildungsfähigkeit“ oder „Arbeitsfähigkeit“ über die ihnen Anvertrauten
Die Wanderausstellung richtet sich gezielt an ein breites Publikum: Sie nimmt die Frage nach dem Wert des Lebens als Leitlinie und beschäftigt sich mit den gedanklichen und institutionellen Voraussetzungen der Morde, sie fasst das Geschehen von Ausgrenzung und Zwangssterilisationen bis hin zur Massenvernichtung zusammen, beschäftigt sich mit exemplarischen Opfern, Tätern, Tatbeteiligten und Opponenten und fragt schließlich nach der Auseinandersetzung mit dem Geschehen von 1945 bis heute. Exemplarische Biografien ziehen sich durch die gesamte Ausstellung: In den Akten der Opfer werden die vielen verschiedenen Akteure fassbar, die an den Verbrechen beteiligt waren. Ihren Blicken auf Patienten werden deren eigene Äußerungen gegenübergestellt.
Den Schlusspunkt der Ausstellung bilden zahlreiche Stimmen, die das damalige Geschehen von heute aus reflektieren und sich aus unterschiedlichen Perspektiven der Frage stellen, welche Bedeutung es für sie persönlich hat: Ärzte, Politiker, Vertreter von Selbsthilfeverbänden, Angehörige von Opfern, Pflegepersonal, Vertreter der Gesundheitsverwaltung und andere.

Die Ausstellung wird in Herford durch vier Tafeln zu Euthanasie, Zwangssterilisierung, den Verantwortlichen und Tätern sowie den zwei wesentlich verantwortlichen Amtsärzten aus Kreis und Stadt Herford ergänzt.

Eine Tafel zeigt zum Beispiel zwei hauptverantwortlichen Amtsärzte:
Dr. Hermann Angenete (1877 - 1953)
1916 – 1935 Kreisarzt des Stadt- und Landkreises Herford, 1935 – 1945 Amtsarzt des Gesundheitsamtes Herford-Land, 1938 Obermedizinalrat, 1.11.1939 NSDAP-Mitglied
1939 – 1944 Mitglied des Erbgesundheitsobergerichts Hamm, 1.9.1945 Versetzung in den Ruhestand
Dr. Angenete erfasste 1510 Personen in der „Erbkrankenliste“ Herford-Land. Er war für 318 Zwangssterilisationen mitverantwortlich.
Dr. Heinrich Siebert (1893 – 1967)
1.4.1922 Stadtarzt von Herford , 1.5.1933 NSDAP-Mitglied und Leiter der NS-Volkswohlfahrt , 1935 stellvertretender Amtsarzt des Gesundheitsamtes
Herford-Stadt , 1936 Amtsarzt-Examen, 1937 Mitglied im NS-Ärztebund
1.8.1937 Medizinalrat und staatlicher Leiter, des kommunalen Gesundheitsamts Herford-Stadt, 20.4.1937 Verleihung des Ehrenkreuzes des DRK, 1938 Betriebsarzt bei der Fa. Ahlers, 1939 ärztlicher Beisitzer des Erbgesundheitsgerichts Bielefeld, 1943 Leiter des Kreisamtes für Volksgesundheit der NSDAP, 1944 Vorsitzender des DRK-Kreisverbandes
Dr. Siebert war für mindestens 188 Zwangssterilisierungen mitverantwortlich
1945 Entnazifizierung und Verbleiben im Amt, 1961 Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Band II. Klasse
1967 Tod in Herford

Seit 2018 gibt es eine Initiative des Herforder Kuratoriums Erinnern Forschen Gedenken e.V. , Dr. Siebert das Bundesverdienstkreuz posthum abzuerkennen. Rechtlich ist dies jedoch nicht möglich oder nötig, da die aus der Verleihung ableitbaren „höchstpersönlichen Rechte“ mit dem Tod erloschen sind.

Begleitprogramm zur Ausstellung:

7. November 2019, 19 Uhr

Historischer Sitzungssaal

Altes Kreishaus, Amtshausstr. 2, 32051 Herford, 1. OG

Vortrag

Dr. Carola S. Rudnik (Leiterin der Gedenkstätte Lüneburg):

"Der Löwenzahn bricht meist dann durch den Beton, wenn die Sonne darauf scheint." - Angehörige in der Gedenkstättenarbeit zum Thema "Euthanasie" und Zwangsterilisation

8. November 2019, 10 – 16 Uhr

Historischer Sitzungssaal

Altes Kreishaus, Amtshausstr. 2, 32051 Herford, 1. OG

Workshop:

Dr. Carola S. Rudnik (Leiterin der Gedenkstätte Lüneburg):

"Die Würde des Menschen ist (an-)tastbar" - Inklusives Geschichtslernen an außerschulischen Lernorten.

Die Gruppengröße beträgt mindestens 10 und maximal 25 Personen. Für die Teilnahme wird ein Beitrag von 10,00€ pro Teilnehmenden erhoben.

 

Beschreibung: Um Inklusionsprozesse von Menschen mit seelischen Erkrankungen und Behinderungen zu fördern, hat die "Euthanasie"-Gedenkstätte Lüneburg ein bundesweit einmaliges Schulungsprogramm entwickelt. Teilnehmende lernen in einem eintägigen Seminar multiperspektivisch sowie handlungsorientiert verschiedene Methoden und Materialien zu den Themen Kinderrechte, Menschenrechte für Menschen mit Behinderungen, Wandel der Ethik und Rolle der Medizin/Pflege, Entrechtung und Gewalt an Erkrankten und Menschen mit Behinderungen im Nationalsozialismus kennen. Die NS-"Euthanasie" als Ausgangs- und Angelpunkt, erhalten Teilnehmende zudem Einblicke in Biografien historischer Akteure und erhalten einen Überblick über den historischen Wandel von Krankheit und Behinderung bis heute. In der Fortbildung werden darüber hinaus Materialen und Methoden vorgestellt zur Frage: "Was hat das mit mir zu tun?" Damit wird in dem sechsstündigen Workshop der Bogen von 1940 bis in die Gegenwart gespannt. Teilnehmende können hierdurch nicht nur ihr zeitgeschichtliches Wissen erweitern, sondern auch neue Zugänge zur Vermittlung von lokaler bzw. regionaler Geschichte ausprobieren. Die Teilnahme wird gerne bescheinigt.

 

13. November 2019, 19 Uhr

Gedenkstätte Zellentrakt (im Herforder Rathaus)

Rathausplatz 1, 32052 Herford (Hintereingang)

Gespräch:

Alexandra Sonntag und Dr. Wolf Müller:

Informierte Mündigkeit in der Psychiatrie

 

Weitere Informationen:

Kuratorium Erinnern Forschen Gedenken e.V.

Gedenkstätte Zellentrakt

Rathausplatz 1, 32052 Herford

05221 189257

info@zellentrakt.de

www. zellentrakt.de