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Das "Bramschebach-Nagelsbachtal" in Herford und Löhne

(Wanderung Nummer 14)

 

 

Treffpunkt Naturkundlich-historische Wanderung Nummer 14

Treffpunkt für geführte Wanderungen

"Viese-Mühle", Am Schlageskamp / B61, Grenze Stadt Herford / Stadt Löhne

 

Dauer der Wanderung: etwa 3 Stunden

Strecke: 9,1 km

 

 

Das Bramschebach-Nagelsbachtal ist seit 1996 Natur­schutzgebiet. Das Schutzgebiet wird geprägt durch das naturnahe Gewässersystem des Bramsche- und des Nagelsbachs mit ihren vielen Nebenbächen. Das Gebiet ist gekennzeichnet durch Gehölze an den Bächen und auf den Siekkanten, kleinen Wäldern in den Nebentälchen. Wiesen und Weiden finden sich im Tal ebenso wie Fischteiche, Baumreihen, Hecken, Röhricht- und Hochstaudenbestände ergänzen das Bild.

Erläuterungen zu den Stationspunkten der Wanderung

1.) Viese-Mühle

In der Viese-Mühle wurden von Mitte des 17. Jahrhunderts bis Ende 1969 Ölsaat und Getreide gemahlen, zuerst nur mit Wasserkraft, später zusätzlich mit einer Lokomobile, nach dem 2. Weltkrieg mit einem Elektromotor. Heute wird das umgebaute Mühlengebäude als Wohnhaus genutzt. Erhalten ist noch der alte Mühlengraben, der alte Mühlenteich wird heute als Fischteich genutzt. Der Mensch hat zu allen Zeiten versucht, Bäche für seine Zwecke zu nutzen. Die Wasserkraft von Bramsche- und Nagelsbach kam bei insgesamt 5 Wassermühlen zum Einsatz, von denen die Mühle Pahmeier und die Krutmühle völlig verschwunden sind. Die Mühlengebäude der Nagels-Mühle wurden ebenfalls zu Wohngebäuden umgebaut. Nur die Mühle Köster am Unterlauf des Bramschebachs schrotet heute noch für den Eigenbedarf.

2.) verlassene Hofstelle

Südlich von Bischofshagen (Löhne) existierte von 1934 bis 1945 ein Truppenübungsplatz in einer Größe von ungefähr 93 ha. Die Landwirte wurden ausgesiedelt oder für Hof und Fläche mit Geld entschädigt. Während des zweiten Weltkrieges wurden hier Truppen ausgebildet. Der Straßenname "Am Truppen­übungsplatz" erinnert daran. Bis Anfang der 90er Jahre hat das Bundesvermögensamt die Flächen verwaltet und danach einen Teil für das Bodenordnungsverfahren Bramschebach-Nagelsbachtal zur Verfügung gestellt.

Diese aufgegebene Hofstelle ist heute noch an den alten Obstbäumen, dem Fliederbusch und der rechteckigen Form der Fläche mitten in der Landschaft zu erkennen.

3.) abgestorbener Baum

Ein abgestorbener Baum stellt wertvolles Totholz für in Höhlen brütende Vögel dar und bietet Platz für die Wochenstuben und Schlafhöhlen der Fledermäuse. Er ist Nahrungs-, Brut und Überwinterungsraum für verschiedene stark gefährdete Insektenarten wie der Hirschkäfer und der Große Eichenbock. Viele Vogelarten wie der Specht finden unter den überwinternden Insektenlarven eine gutes Nahrungsangebot.

4.) Fischteiche

Fischteiche nutzte der Mensch seit dem Mittelalter für die Versorgung mit frischem Fisch. Heute dienen sie mehr der Freizeitbeschäftigung und Erholung. Im vorliegenden Fall wurde das ganze Tal ausgeräumt, um Fischteiche zu schaffen. Das Fließgewässer ist völlig verschwunden. An den steilen Ufern wachsen kaum Bäume, hier kann sich Röhricht nur schwer entwickeln. Da Flachwasserzonen fehlen, finden sich nur wenige Insekten und Amphibien im Teich.

Die Sonneneinstrahlung erwärmt das Wasser der Teiche, der Sauerstoffgehalt nimmt ab. Durch Zufütterung der Fische und Einsatz von Medikamenten entsteht eine zusätzliche Belastung des Stillgewässers, die in den Bach weitergegeben wird.

5.) Panoramablick

Das Ravensberger Hügelland wird immer mit einer Parklandschaft verglichen. Der Ausblick auf die Egge und den Homberg zur Linken, den Schweichelner Berg zur Rechten und die vielfältigen Gehölzstrukturen dazwischen machen den Begriff sehr anschaulich.

6.) Bramschebach

Bramsche- und Nagelsbach sowie die Nebengewässer sind sommerkalte Forellenniederungsbäche. Sie sind in großen Abschnitten in einem naturnahen Zustand erhalten. Die meisten Ufer sind mit Erlen bestanden, die das Wasser beschatten, wodurch ganzjährig eine Temperatur zwischen 10 und 12°C gewährleistet ist. Die Bäche schlängeln sich leicht, dadurch gibt es steile Abbruchkanten, in denen der Eisvogel brüten kann, und flache Kiesbänke als Laichgrund für Fische. Diese Strukturierung führt zu verschiedenen örtlich stark schwankenden Strömungsgeschwindigkeiten, an die Fische und Kleintiergesellschaften aber angepasst sind. Auch wird dadurch ein hoher Sauerstoffeintrag in das Gewässer gesichert. Die Wasserqualität ist deshalb mit ”mäßig belastet” ganz gut, weshalb auch Groppe, Bachneunauge, Bachforelle, Bachschmerle und andere Fische vorkommen.

7.) Industrieansiedlung

Diese Industrieansiedlung erfolgte 1963/64 mitten in der freien Landschaft durch die damals eigenständige Gemeinde Falkendiek, heute ein Ortsteil der Stadt Herford und ist Zeugnis einer ehrgeizigen Gewerbepolitik, aber kein Einzelfall im Kreis Herford.

8.) "Heeper Hof"

Diese regionaltypischen Einzelhöfe wurden wegen der günstigen Lage zum Wasser (aber hochwasserfrei) angelegt. Die Felder und Wiesen lagen direkt um den Hof herum.

Der ”Heeper Hof” wurde im 13. Jahrhundert zum ersten Mal urkundlich erwähnt und war seit jener Zeit ununterbrochen in Familienbesitz. Die jetzige Hofanlage stammt aus dem frühen 19. Jahrhundert und ist einer der am authentischsten erhaltenen in Herford. Das Haupthaus, die Scheune, die fachwerkene Remise und der Hofteich gehören zum Ensemble, außerdem zwei Brunnen, einer außerhalb, einer innerhalb des Haupthauses. Die letzten "Heeper" lebten noch ohne fließend Wasser und mit einer Ofenheizung.

1995 wurde das Haus von den neuen Eigentümern technisch modernisiert, wobei die alten Strukturen erhalten blieben. Wie auf vielen anderen Höfen wird auch hier keine Landwirtschaft mehr betrieben. Die Wirtschaftsgebäude sind nun zu Wohnraum umgebaut worden, die Flächen verkauft. Durch die Haltung von Rindern, Pferden, Gänsen und Hühnern versuchen die neuen Eigentümer einen Bauernhofcharakter zu erhalten.

9.) Siek

Der Blick bachabwärts zeigt das typische kastenförmige Siek mit seinen steilen baumbestandenen Böschungskanten und Grünland am Talboden. Sieke entstanden, als vor Jahrhunderten die Kerb- und Muldentäler durch die ”Wiskenmaker” in Kastentäler umgebaut wurden, um größere und ertragreichere Grünlandflächen im Talgrund zu gewinnen. Der Bach wurde meistens an den linken oder rechten Talrand gelegt.

Die so entstandenen größeren Wiesen und Weiden hatten eine gute Wasserversorgung, die Aueböden boten eine gute Nährstoffversorgung. Dies garantierte den Landwirten ganzjährig hohe Graserträge. Durch die Einführung der Mineraldüngung einerseits und Futterpflanzen wie Mais andererseits, verbunden mit dem Aufkommen der großflächigen Bewirtschaftungseinheiten und schweren landwirtschaftlichen Maschinen, wurden viele Siekflächen wirtschaftlich uninteressant. Für den Naturschutz jedoch stellt das weitverzweigte Sieksystem des Ravensberger Hügellands das Grundgerüst für den Arten- und Biotopschutz dar.

10.) Feuchtwiese

Im Talgrund des Bramschebach-Nagelsbachsystems finden sich viele Grünlandgesellschaften der feuchten und frischen Standorte. Wiesenschaumkraut und Sumpf­dotterblume im Frühjahr, Kuckuckslichtnelke und Wassergreiskraut im Sommer, Flatterbinse und Mädesüß im Herbst sind prägende Aspekte. Diese Pflanzenbestände bilden aber auch die Grundlage der Lebensgemeinschaften von Schmetterlingen, Libellen, Fliegen, Amphibien, Vögeln und Säugetieren. Die uns bekannten Wiesen und Weiden entstanden, als der Mensch den Wald rodete und damit lichtliebenden Kräutern und Gräsern einen neuen Lebensraum schuf. Sie breiteten sich von den trockenen Waldrändern oder den feuchten Flussufern in die Flächen aus. Im Laufe der Jahrhunderte entstanden so durch Mahd und Beweidung die Pflanzengesellschaften vom Magerrasen bis zu den Feuchtwiesen. Durch Düngung und Züchtung bildeten sich die heute intensiv nutzbaren Wirtschaftswiesen heraus. Hier finden wir Wiesenfuchsschwanz- und Glatthaferwiesen sowie Weidelgrasweiden. Nicht mehr bewirtschaftete Flächen werden schnell von Röhricht- oder Hochstaudenarten wie Mädesüß, Brennnessel oder Schilf bestanden. Wird überhaupt nicht mehr gemäht, so fasst der Wald als erstes mit der Erle wieder Fuß.

Die untere Landschaftsbehörde versucht in Zu­sammenarbeit mit den ortsansässigen Landwirten die Flächen durch regelmäßige Mahd und vorsichtige Be­weidung in extensiver Nutzung zu halten. Für ihren Nutzungsausfall werden sie finanziell entschädigt. Auch wurde im Schutzgebiet ein Flurbereinigungsverfahren durchgeführt, um für den Landwirt wirtschaftlich uninteressante Flächen - für den Naturschutz wichtige - gegen andere außerhalb des Gebiets auszutauschen.