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Kirchen, Rittersitze, Fachwerkhäuser

Zeugen großer Baukunst

Kirchen

Kirchen sind die ältesten und die kunstgeschichtlich bedeutendsten Bauten im Kreis Herford. Glücklicherweise sind alle historischen Kirchen im Zweiten Weltkrieg von Zerstörungen verschont geblieben. Ein Zeugnis spätromanischer Baukunst ist das Herforder Münster. 1220 unter der Äbtissin Gertrud II. zur Lippe begonnen und 1282 unter Äbtissin Mechthild II. vollendet, ist es die erste große Hallenkirche in Westfalen und somit Vorbild für andere Kirchen, wie den Paderborner Dom.

Münster Kirche in Herford
© Stadt Herford 
Typisch für eine Hallenkirche ist, dass die Seitenschiffe die gleiche Höhe haben wie das Mittelschiff. Drei Anbauten im Stil der Gotik prägen den äußeren Eindruck der Südseite, der Schauseite des Münsters:

  • der Krämerchor (um 1340)
  • die Beichtkammer (um 1370)
  • und die Chorerweiterung unter Mechthild von Waldeck (1409 bis 1442)

Dennoch hat der Kernbau seinen ursprünglichen Charakter bewahrt und seinen monumentalen Gesamteindruck nicht verloren. Im Chor befinden sich Grabmäler von Äbtissinnen des Herforder Reichsstiftes.Dennoch hat der Kernbau seinen ursprünglichen Charakter bewahrt und seinen monumentalen Gesamteindruck nicht verloren. Im Chor befinden sich Grabmäler von Äbtissinnen des Herforder Reichsstiftes.

Die um 1350 vollendete Marienkirche auf dem Stiftberg in Herford ist eine im reinen Stil der Hochgotik erbaute dreischiffige Hallenkirche auf quadratischem Grundriss. Zu ihrer Ausstattung gehört ein spätgotisches Tabernakel, das von einem dreitürmigen Baldachin bekrönt wird. Statt einer Heiligenreliquie enthält es einen Baumstumpf, der auf die Gründungslegende der Kirche hinweist. Laut einem Visionsbericht aus dem 10. Jahrhundert erschien die Jungfrau Maria einem Bettler auf dem Berg. Sie beauftragte ihn, die Äbtissin und die Stiftsdamen in ihrem Namen zu einem gottgefälligeren Leben aufzufordern. Außerdem verlangte sie den Bau einer Kirche zum Gedenken an ihre Vision. Als Beweis für ihre Worte und zum Schutz des Bettlers erschien sie im Beisein der Stiftsangehörigen erneut, diesmal als Taube auf einem Kreuz, das in einem Baumstumpf gesteckt war – die Legende sagt in jenem, der im Tabernakel liegt. 1011 wurde die unter der Äbtissin Godesti errichtete schlichte Saalkirche geweiht. Sie diente dem neu gegründeten Stift auf dem Berge und den Marien-Wallfahrern und war einer der Vorgängerbauten der heutigen Marienkirche.

Als drittes Beispiel sakraler Baukunst im Kreis Herford sei die ehemalige Stiftskirche St. Dionys in Enger genannt. Besser bekannt unter dem Namen „Wittekindskirche“, beherbergt sie das Grabmal des legendären Sachsenherzogs. Der älteste Teil des Sarkophags stammt aus der Zeit um 1100. Es handelt sich dabei um ein Relief, das Wittekind fast in Lebensgröße darstellt. Das Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler von Georg Dehio stuft es als eines der frühesten und bedeutendsten Werke dieser Gattung ein. Der Chor und das Querhaus der Kirche gehören zu einem Vorgängerbau aus dem 12. Jahrhundert und weisen romanische Stilelemente auf. Das gotische Langhaus wurde im 14. Jahrhundert als dreischiffiger Hallenbau errichtet.

 

Rittersitze

Gut Böckel in RödinghausenRittersitze entstanden am Ende des Mittelalters, als sich die Dienstmannen der landesherrlichen Burgen, die Ministerialen, als Ritterstand etablierten und ihre Lehnshöfe zu befestigten Wohnsitzen ausbauten. Oft waren es zunächst nur von einem Wassergraben, der Gräfte, geschützte Haupthöfe (Meierhöfe), aus denen Rittersitze wurden. In Ermangelung geeigneter Berge handelt es sich im Kreis Herford ausschließlich um Wasserburgen. Erst später entwickelten sich aus ihnen die eigentlichen Rittergüter, landwirtschaftliche Großbetriebe, deren Besitzer adliger Abstammung sein mussten.

Zu jedem Rittergut gehörten abgabepflichtige Bauern. Im 16. und 17. Jahrhundert änderte sich der Charakter der Rittersitze von schlichten, wehrhaften Bauwerken hin zu repräsentativen Herrenhäusern inmitten großzügiger Parkanlagen. Das hatte mit dem zunehmenden Reichtum ihrer Besitzer zu tun wie auch mit der Tatsache, dass eine mittelalterliche Wasserburg gegen moderne Feuerwaffen nicht mehr zu verteidigen war.

Ein typischer Wehrbau ist der ehemalige Rittersitz Gut Bustedt in Hiddenhausen. Sein ältester Teil, der wuchtige, viergeschossige Wohnturm, stammt noch aus dem 15. Jahrhundert. Seine Mauern aus Bruchstein sind etwa einen Meter dick. Zur besseren Verteidigung war der Eingang anfangs nur über Leitern erreichbar. Später wurde das zweiflügelige Herrenhaus angefügt. Der wehrhafte Charakter der von zwei Gräften umschlosseen Wasserburg ist bis in die Gegenwart erhalten geblieben.

Der Uhlenburg Turm in LÖhneGanz anders präsentiert sich die Ulenburg in Löhne. Hier ist die Bezeichnung Wasserschloss durchaus angebracht. 1568 bis 1570 ließ der damalige Besitzer Hilmar von Quernheim das Herrenhaus durch den Baumeister Johann Korffmacher im Stil der Weserrenaissance errichten. Mit diesem Begriff bezeichnet man die durch ihre Schmuckformen auffallenden Renaissancebauten im Wesergebiet. An der Ulenburg sind es die beiden Hauptgiebel und der Erker der Eingangsfront, die zu den bemerkenswerten Kunstwerken der Weserrenaissance zählen. Ihre heutige malerische Erscheinung verdankt die Ulenburg allerdings den späteren Anbauten. 1652 bis 1660 wurden der Nordflügel und der Wohnturm erbaut. Letzte bauliche Veränderungen erfolgten im 19. Jahrhundert.

Die Fassade der Mühlenburg in Spenge ist ebenfalls von Stilelementen der Renaissance geprägt. Sie stammen allerdings nicht aus dem 16. Jahrhundert, wie der äußere Anschein vermuten lässt. Vielmehr handelt es sich um das Ergebnis eines Umbaues des Herrenhauses am Ende des 19. Jahrhunderts. Dem Geschmack der Zeit entsprechend, wurde bei dem Freitreppenvorbau und den beiden Zwerchgiebeln Formen und Motive der Renaissance verwendet, so dass hier von einer Renaissance der Renaissance gesprochen werden kann.

 

Fachwerkhäuser

Fachwerkhäuser gibt es im Kreis Herford überall noch in großer Zahl, wenn auch mit abnehmender Tendenz. Früher prägten sie das Bild der Dörfer, doch auch in den Städten ist noch so manches Fachwerkhaus zu finden.

Der Kreis Herford liegt im Verbreitungsgebiet des niederdeutschen Hallenhauses. Diese im Mittelalter entstandene Hausform beherbergt Menschen, Vieh und Ernte in einem einzigen Gebäude unter Dach und Fach. Die Fachwerkhäuser auf dem Lande entsprechen alle diesem Typus, die stattlichen Höfe der Bauern ebenso wie die kleinen Kotten der Heuerlinge.

Das Dammhaus auf dem Gelände des Museums Bünde ist das älteste erhaltene bäuerliche Fachwerkhaus im Kreis Herford. 1595 errichtet, stand es ursprünglich in unmittelbarer Nähe des Gutes Bustedt, bevor es 1975 an seinem jetzigen Standort originalgetreu wieder aufgebaut wurde. Das Dammhaus ist als Zweiständerhaus konstruiert, das heißt, dass die gesamte Dachkonstruktion auf zwei Ständerreihen ruht. Relativ klein mit einer Grundfläche von etwa 150 Quadratmetern und äußerlich schmucklos, beeindruckt es durch seine wuchtigen Ständer und Balken.

Remensniderhaus in Herford
© Hansestadt Herford  
Riesig im Vergleich zum Dammhaus wirkt das Hauptgebäude des Sattelmeierhofes Ebmeier in Enger. Die Sattelmeier waren der Überlieferung nach die engsten Gefolgsleute Wittekinds und mussten für ihren Herzog stets ein gesatteltes Pferd bereithalten. Die Inschrift über der Deelentür besagt, dass das Haus im Jahr 1812 von der Witwe des Hofbesitzers, ihrem Sohn und dessen Ehefrau errichtet wurde. Mit einer Seitenlänge von 44,6 Metern und fast 700 Quadratmetern Grundfläche ist es eines der größten Bauernhäuser im Kreis Herford.

Sehenswertes Beispiel für einen bürgerlichen Fachwerkbau ist das Remensniderhaus an der Brüderstraße in Herford. 1521 von Heinrich Aldach, genannt Remensnider, erbaut, ist es das künstlerisch reichste, spätgotische Fachwerkhaus in Westfalen. Die auf den Knaggen dargestellten Figuren eröffnen dem Betrachter das religiöse Weltbild der Menschen des frühen 16. Jahrhunderts. An höchster Stelle thront Christus, flankiert von vier Heiligen, darunter die Muttergottes, ebenfalls von Heiligen umgeben. Das Erdgeschoss zeigt die sündige Welt. Über der Haustür erscheint der Höllendrachen, und an den Knaggen sind sündhafte Eigenschaften wie Zorn, Schamlosigkeit und Unzucht dargestellt.

 
 
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