Seiteninhalt

Pressedienst





Kinder schöpften aus einem Koffer voller Ideen | 06. 07. 2017


Kreis Herford. Im Gut Bustedt waren die Ergebnisse einer beeindruckenden Kooperation zu sehen: Ein Schuljahr lang haben sechs Künstlerinnen und Künstler mit Kindertagesstätten und Grundschulen zusammengearbeitet. Dabei brachten sie in ihren Projekten mit jeweils rund 60 Stunden Umfang ihre eigenen künstlerischen Schwerpunkte ein und führten Kita-Kinder und Grundschulkinder zusammen. „Es war besonders, als erwachsene Künstlerin in Schulen und Kitas zu gehen und mit den Kindern das zu machen, was ich als Kind dort auch gerne gemacht hätte“, resümiert Anna Degenkolb, beteiligte Künstlerin aus Bad Oeynhausen.

Hans-Ulrich Höhl, Geschäftsführer der Carina Stiftung (links) und Landrat Jürgen Müller (rechts) rahmen die sechs Künstlerinnen und Künstler ein, die einen Koffer voller Ideen mit den Kindern umsetzten: (v.l.n.r.) Larissa Take, Nina Siekmann, Marie-Pascale Gräbener, Anna Degenkolb, Katharina Hagemann und Bernd Hilke.

Im Gut Bustedt präsentierten die Künstlerinnen und Künstler die Ergebnisse, Zeichnungen und Skulpturen. Schnell wurde deutlich: die Kinder waren äußerst kreativ. Die Künstlerinnen und Künstler gaben den Rahmen und die Materialien vor. Ansonsten galt aber, „so wenig wie möglich zu verhindern“, wie es Marie Pascale Gräbener, beteiligte Künstlerin aus Bielefeld, formulierte und damit den Ansatz aller Beteiligten traf, die Kinder mit ihren Ideen wirken zu lassen und möglich wenig in ihren schöpferischen Prozess einzugreifen.

Unter der Überschrift „Ein Koffer voller Ideen“ waren Kinder aus 14 Kitas und Grundschulen aus dem gesamten Kreis Herford beteiligt. Sie hatten sich bei Kita & Co beworben, einem Programm des Kreises Herford und der Carina Stiftung, das besonders den Übergang von der Kita zur Grundschule stärkt. 20 Prozent der Kosten werden vom Bildungsprogramm Kita & Co übernommen und 80 Prozent steuerte das Land NRW bei. Wesentlich für das Konzept war es, mit externen Künstlerinnen und Künstlern aus der Region zu arbeiten, die mit ihren Schwerpunkten in die Einrichtungen und in die Arbeit mit den Kindern gingen.

Marie Pascale Gräbener hatte mit den Kindern Zaubergärten gebaut. Davon zu sehen war bei der Präsentation zwar nur ein Exemplar – die Kinder hatten ihre Gärten bereits zuvor mit nach Hause genommen – aber die Anwesenden bekamen einen Eindruck davon, womit und wie die Kinder gearbeitet hatten.

Die Künstlerin baute die Grundlage der Gärten selber: Sie schnitt dickes Styropor rechteckig zu und bemalte es grün. Ausgerüstet mit den grünen Rechtecken und Kisten mit kleinen, alltäglichen Gegenständen wie Federn, Schwämmen, Schaschlikspießen, Strohhalmen und auch Pfeifenputzern kam sie bei den Kindern an. Die Fünf- bis Siebenjährigen aus den Herforder Kindertagesstätten St. Josef und Stiftberg sowie aus der Grundschule Stiftberg entwickelten daraus individuelle kunstvolle kleine Gärten, in denen ihre Fantasie sprießt, in denen Hummeln brummen, Vögel gleiten und Blumen blühen.

Marie Pascale Gräbener arbeitete mit der Künstlerin und Pädagogin Nina Siekmann zusammen. Sie setzte das Thema der Gärten musikalisch um. Unter anderem improvisierte sie mit den Kindern Sounds, so etwa Regen, Wind und Gewitter. Die Instrumente hatte sie den Kindern in einem großen Koffer mitgebracht, darunter ganz übliche wie ein Xylophon aber auch außergewöhnliche wie Joghurt-Becher, leere Kanister, Papiere oder Plastiktüten. Auf Musik setzten auch die Grundschule Hunnebrock und der Kindergarten Hüffen. Sie arbeiteten mit dem Kirchenmusiker Bernd Hilke zusammen. Der gab den Kindern den Raum, nicht nur mit der Stimme sondern mit dem ganzen Körper zu singen und zu schwingen. Musik und Bewegung standen ebenfalls beim Projekt von Larissa Take von der Musicalschule „Hans & Alice“ in Enger im Vordergrund.

Anna Degenkolb und Katharina Hagemann brachten in ihren Projekten Kinder in Berührung mit natürlichen Gegenständen und Farben. So sammelten die Kinder Erdfarben im Wald, verwandelten Baumstämme ich urige Gesichter, arbeiteten mit Ton oder malten Schattenmonster.

„Die gemeinsamen Projekte mit den Kitas ermöglichen Austausch und Beobachtung. So gewinne ich früh einen Eindruck von den Kindern, die demnächst eingeschult werden“, sagte Bettina Wolff, Leiterin der beteiligten Grundschule Bustedt, „wir können dann praktisch mit der Einschulung mit der individuellen Förderung beginnen“. Das Projekt passe hervorragend ins Kita & Co-Konzept, hob Hans-Ulrich Höhl, Geschäftsführer der Carina Stiftung bei der Abschlusspräsentation hervor. „Mit dem Projekt werden Fähigkeiten vermittelt, die nicht zum normalen Kita- und Schulalltag gehören“, betonte Landrat Jürgen Müller, „kulturelle Bildung muss frühzeitig beginnen“.

„Neue Wege gemeinsam gehen“: unter diesem Titel geht das Projekt im kommenden Schuljahr weiter. Dann sind weitere Kitas und Grundschulen beteiligt, so dass aus sechs Projekten elf werden. Gisela Wibbing von der Arbeitsstelle Kulturelle Bildung in Schule und Jugendarbeit NRW war wie alle anderen begeistert von der Kreativität und sieht in den Projekt einen erheblichen Mehrwert für die Gestaltung des Übergangs zwischen Kita und Grundschule. Sie setzt darauf, dass dieses kulturelle Übergangsprojekt über 2018 hinaus möglich sein wird.