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PCB-Belastung am August-Griese-Berufskolleg und wie es weitergeht

Bei Raummessungen im August-Griese-Berufskolleg (AGB) in Löhne wurden erhöhte Werte von PCB (Polychlorierte Biphenyle) nachgewiesen. Die Ursache für diese PCB-Belastung lässt sich vor allem auf die Heizungsfarbe und Dichtungsfugen zurückführen, die beim Bau Ende der 60er Jahre verwendet wurden.

Der Kreis Herford als Schulträger hat sofort reagiert. Neben Sofortmaßnahmen (Gutachten, Lüftungsplan, Reinigung der Gebäude), Informationsveranstaltungen für Schülerinnen und Schüler, die Lehrkräfte und Eltern werden seit Bekanntwerden regelmäßige Kontrollmessungen durchgeführt. Die Messwerte unterliegen Schwankungen, befinden sich aber im unteren und mittleren Bereich und machen nach Absprache mit der Bezirksregierung Detmold eine Schließung nicht erforderlich.

Mittlerweile wird an einem möglichen Sanierungsplan und parallel auch an einem Neubauplan gearbeitet. Dies umfasst die Veröffentlichung der erforderlichen europaweiten Ausschreibung der Planungsleistungen im April 2021. Derzeit geht der Kreis Herford davon aus, dass eine Sanierung im laufenden Betrieb umgesetzt und etwa 5 Jahre dauern würde. Ein Neubau beansprucht voraussichtlich 3 Jahre.

Was ist PCB?

PCB steht als Abkürzung für "Polychlorierte Biphenyle", eine große Gruppe (209 unterschiedliche Substanzen) schwer abbaubarer, mehrfach chlorierter aromatischer Verbindungen, die aufgrund ihrer besonderen Eigenschaften in der Vergangenheit in sehr großer Menge vielfältige technische Anwendungen fanden, z. B. in Isolier- und Dichtungsmassen, Farben etc.

Der Einsatz von PCB ist seit 1978 in Deutschland verboten. Seit 1989 besteht in Deutschland ein generelles Herstellungs- und Verwendungsverbot. Jedoch haben sich diese Substanzen durch jahrelange Verwendung und aufgrund ihrer Langlebigkeit in der Umwelt angereichert und werden vom Menschen ständig aufgenommen. Der Hauptteil der PCB-Aufnahme erfolgt mit 60-90% über die Nahrung, vor allem über tierische Fette.

Zum geringen Teil werden PCB auch über die Luft aufgenommen. Die Belastung der Außenluft liegt in Ballungsgebieten bei etwa 100 ng/m³. Die Innenraumluftbelastung kann jedoch höher sein, wenn PCB-Quellen vorhanden sind. Diese können in Fugenmaterialien und Dichtungsmassen, Flammschutzmitteln oder Weichmachern in Kunststoffen vorliegen, die in Gebäuden bis 1978 verbaut wurden.

In einem Konzentrationsbereich zwischen 300 und 3.000 ng/m³ muss die PCB-Quelle aufgespürt und unter Beachtung der Verhältnismäßigkeit mittelfristig beseitigt werden. Zwischenzeitlich ist durch geeignete Maßnahmen die PCB-Konzentration zu reduzieren.

Was bedeutet die PCB-Belastung am AGB für die Gesundheit der Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler?

Generell konnten durch den Einsatz von Luftreinigungsgeräten und Teilsanierungen von Räumlichkeiten die Messwerte im August-Griese-Berufskolleg dauerhaft gesenkt werden. Sie liegen im unteren und mittleren Bereich. Räume, bei denen die Grenzwerte überschritten werden, wurden aus der Nutzung genommen.

Alle 3 Monate werden Kontrollmessungen durchgeführt – dabei unterliegen die Werte witterungsbedingten Schwankungen.

Nach Absprache mit der Bezirksregierung Detmold ist eine Schließung nicht erforderlich. Auch nach Einschätzung des Gesundheitsamtes besteht keine akute Gefahr, denn bei diesen Konzentrationen gibt es noch keine Hinweise auf schädliche Wirkungen.

Was ist bisher passiert?

Nach Bekanntwerden der Schadstoffbelastung wurden unmittelbar ein Schadstoffgutachten sowie die Erstellung eines Sanierungskonzeptes in Auftrag gegeben.
Zudem wurden folgende Maßnahmen ergriffen:
  • Komplettreinigung des Schulgebäudes
  • Einsatz von mechanischen Luftreinigungsgeräten in Verbindung mit manuellen Lüftungsmaßnahmen
  • Regelmäßige, quartalsweise Kontrollmessungen
  • Sperrung von Räumen, bei denen nicht verlässlich sichergestellt werden kann, dass die Werte ausreichend gesenkt werden können
  • Zur Sicherstellung des Schulbetriebs und als Überbrückungsmaßnahme Teilsanierung von gesperrten Räumen, um sie wieder nutzbar zu machen
  • Raumluftmessungen in den Gebäuden aller kreiseigenen Schulen, die ohne Befund waren
Zur Information der betroffenen Nutzerinnen und Nutzer wurden ad hoc folgende Maßnahmen ergriffen:
  • Informationsveranstaltung unter Beteiligung der Bezirksregierung Detmold sowie des Schadstoffgutachters am 02.05.2018 für das Kollegium der Schule
  • Informationsveranstaltung für Schülerinnen und Schüler, deren Eltern, sowie den betroffenen Ausbildungsbetrieben am 14.05.2018
  • Einrichtung eines Infotelefons in der Kreisverwaltung

Zwischenzeitlich erfolgt eine regelmäßige und laufende Information bei Bedarf und in Abstimmung mit der Schule sowie aller anderen beteiligten Stellen.

Das Schadstoffgutachten und das daraus resultierende Sanierungskonzept liegen vor. Aufgrund des sehr hohen Sanierungsaufwandes und den damit verbundenen Kosten wird nach der politischen Beschlussfassung vom 18.09.2019 alternativ ein möglicher Neubau des AGB geprüft.

Wie geht es weiter?

Auf der Grundlage der politischen Beschlussfassung aus September 2019 wurde das erforderliche europaweite Verhandlungsverfahren zur Ausschreibung der Planungsleisten im April 2021 veröffentlicht. Eine Entscheidung ist für Anfang 2022 geplant. Sowohl eine Sanierung als auch ein Neubau werden im laufenden Schulbetrieb am derzeitigen Standort des Berufskollegs umgesetzt. Die oben genannten Maßnahmen (Einsatz mechanischer Lüftungsgeräte / Kontrollmessungen) werden fortgeführt.

Wer kann mir weitere Fragen beantworten?

Die Pressestelle des Kreises Herford nimmt Ihre Fragen entgegen.