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Fachforum: »Häusliche Gewalt und Umgangsrecht«

Etwa 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer besuchten die Fachveranstaltung „Häusliche Gewalt und Umgangsrecht“, zu der das Fachforum gegen Häusliche Gewalt am 12.09.2018 erstmals ins Bünder Rathaus eingeladen hatte. Thema des Fachforums war, wie erlebte häusliche Gewalt in familiengerichtliche Verfahren und in die Regelung der Umgangskontakte von Eltern einbezogen wird.

Der Richter Ulrich Heistermann vom Amtsgericht Lemgo skizzierte den Ablauf eines familiengerichtlichen Verfahrens und den rechtlichen Rahmen, der für Richterinnen und Richter gilt. Dabei stellte er heraus, wie bedeutend die Feststellung einer Kindeswohlgefährdung und die damit verbundenen Sachverständigengutachten für eine Umgangseinschränkung sei. Er berichtete aus der Praxis, dass die Gutachterinnen und Gutachter so ausgelastet seien, dass es auch mal bis zu einem Jahr dauern kann, bis das Gutachten vorliegt. In der Zwischenzeit müssten die Richter Zwischenlösungen finden.

Anschließend erläuterte die familienpsychologische Sachverständige Ina Brewitt aus Bielefeld in ihrem Vortrag Inhalte und Verfahren eines psychologischen Gutachtens. Danach berichteten Christel Noltensmeier und Birte Huntebrinker vom Jugendamt der Stadt Bünde über die Aufgaben des Jugendamtes.

In der sich anschließenden lebhaften Diskussion wurde deutlich, dass Schilderungen von anderen Fachstellen in den Verfahren eher dann zur Beurteilung herangezogen werden, wenn Situationen in neutraler Sprache beschrieben sind. Emotionale und bewertende Darstellungen werden in der Regel nicht oder nur selten berücksichtigt.

Die Veranstaltung schloß sich an ein Fachforum im Juli an, in dem die traumatisierenden Folgen von häuslicher Gewalt im Fokus standen. Dort war der Traumaexperte Alexander Korittko aus Hannover zu Gast und berichtete in seinem Vortrag darüber, dass allein das Beobachten von häuslicher Gewalt häufig zu Traumatisierungen bei den Kindern führe. Da die Auswirkungen selbst für Expertinnen und Experten schwer als solche erkennbar seien, plädiere er für den Grundsatz „Sicherheit zuerst“ bei Umgangsregelungen. Auf der anderen Seite stehe das Recht auf Umgang für beide Eltern als Regelfall, das in der Regel auch dem Kindeswohl diene.

Infos zum Fachforum gegen häusliche Gewalt im Kreis Herford:

Das Fachforum gegen häusliche Gewalt im Kreis Herford ist 2003 gegründet worden und steht unter der Schirmherrschaft des Landrates des Kreises Herford. Es richtet sich an Fachleute aus Jugendämtern, Justiz, Polizei, Beratungsstellen aber auch in Kindergärten und Schulen, die in vielfältigen Zusammenhängen mit Eltern in Trennungssituationen in Kontakt sind, um die Zusammenarbeit der Institutionen zu verbessern und über die Folgen von häuslicher Gewalt aufzuklären.

Ziele des Fachforums gegen häusliche Gewalt sind unter anderem die Verbesserung des Schutzes der Opfer und der Hilfs- und Unterstützungsangebote. Zur Umsetzung der Ziele des Fachforums gegen häusliche Gewalt gibt es ein Koordinierungsteam, das auch die öffentlichen Veranstaltungen plant und umsetzt.

Diesem Team gehören unterschiedlichste Institutionen und Organisationen an:

  • AWO Fachdienst für Migration und Integration
  • Femina vita Mädchenhaus e.V.
  • Frauenhaus Herford e.V.
  • Frauenberatungsstelle Herford/Frauennotruf
  • Trennungs-und Scheidungsberatung im Sozialdienst katholischer Frauen e.V. Herford
  • Beratungsstelle für Eltern, Jugendliche und Kinder des Kreises Herford
  • die Gleichstellungsbeauftragten der Städte Enger und Bünde, des Kreises Herford und des Klinikum Herford
  • Jugendamt Stadt Herford
  • Lebenshilfe Herford
  • die evangelische Jugendhilfe Schweicheln, Täterarbeit
  • Opferschutzbeauftragte der Polizei
  • Rechtsanwältin in Herford

Die Geschäftsführung des Koordinierungsteams liegt bei der Gleichstellungsbeauftragten des Kreises Herford. Das Fachforum ist unter www.fachforum-gegen-haeusliche-gewalt-im-kreis-herford.de im Internet erreichbar.